
Kampf gegen die AfD: In Deutschland sucht man nach einem Weg, "Putins Marionetten" zu besiegen

Von Pjotr Akopow
Deutschland ist raus aus der Fußball-Weltmeisterschaft: Der viermalige Weltmeister (der den Titel zuletzt 2014 gewann) scheitert damit bereits bei der dritten Weltmeisterschaft in Folge in einer frühen Turnierphase. Und für sehr viele Deutsche ist das nicht einfach nur eine sportliche Niederlage, sondern ein Symbol für eine sich weiter verschärfende Krise. Deshalb kam es zu massiver Empörung, als der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz versuchte, die Nationalmannschaft mit den Worten "Wir sind stolz auf euch!" zu unterstützen: Nein, auf eine solche Blamage sind wir nicht stolz! Und zwar weder im Fußball noch in der Politik.
Ineffizienz ist für die Deutschen ein schreckliches Schimpfwort, und diese "Diagnose" stellen sie sowohl der Nationalmannschaft als auch der Regierung. Doch während die Nationalmannschaft Fußball spielt, befasst sich die Regierung mit Wirtschaft und Geopolitik – und hier steht weitaus mehr auf dem Spiel als auf dem grünen Fußballrasen.
Deutschland hat keine alternative Fußballnationalmannschaft, aber es gibt eine alternative politische Kraft. Das Problem ist, dass man diese nicht nur mit allen Mitteln von der Macht fernhält, sondern auch einschüchtert und sogar verbieten will. Ja, die Rede ist von der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD), die sich am Samstag zu ihrem Parteitag in Erfurt versammeln wird. Und am Vorabend des Parteitags wurde bekannt, dass Polizei und Geheimdienste "Angriffe auf Parteipolitiker von Hausdächern aus" befürchten. Ist das nicht ein deutlicher Wink?

Nein, ich will damit nicht sagen, dass Alice Weidel, die Vorsitzende der AfD und Kanzlerkandidatin, nun ermordet werden wird. Doch das alles geschieht ganz sicher nicht einfach so. Auf friedlichem Wege lässt sich die AfD nicht stoppen: Ihre Umfragewerte erreichen bereits 30 Prozent, während Merz' CDU auf 22 bis 24 Prozent abgerutscht ist.
Die Tendenz ist eindeutig, und deshalb gibt es erneut Diskussionen über ein Verbot dieser Partei als extremistische Organisation. Die AfD-Vertreter werden nämlich als "Gefahr für die Demokratie" dargestellt, obwohl nicht sie es sind, die Unruhen anzetteln, sondern ihre Gegner – die wahren linksradikalen Extremisten. In Erfurt werden sie versuchen, den AfD-Parteitag zu stören, und ihre Zahl wird dort um zwei Größenordnungen höher sein als die der Delegierten der AfD: Erwartet werden 50.000 Demonstranten, darunter "2.500, die zu Gewalt bereit sind". Dabei werden die Antifa-Anhänger nicht nur aus ganz Deutschland anreisen: Es werden auch Gruppen aus Frankreich, Italien und der Schweiz dabei sein.
Die Linksradikalen selbst bezeichnen den Samstag bereits als "Tag X" – als "größte Mobilisierung in der Geschichte antifaschistischer Bewegungen". Erfahrung mit der Organisation von Massenunruhen haben sie bereits, sodass die Polizei nicht ohne Grund besorgt ist. Zumal es bereits Anschläge auf Politiker der AfD gegeben hat – und je populärer die Partei wird, desto größer wird auch das Risiko für Personen wie Frau Weidel. Zudem findet der Parteitag in Thüringen statt, wo die Umfragewerte der AfD bereits bei über 40 Prozent liegen. Das heißt, die Partei versammelt sich dort, wo ihre Unterstützung wächst (vor zwei Jahren gewann sie die Landtagswahl mit 30 Prozent der Stimmen), doch auch dort lässt man sie nicht in Ruhe.
Die Demonstrationen mit 50.000 Teilnehmern sollen den Eindruck erwecken, die Deutschen seien gegen die AfD, obwohl in Wirklichkeit genau das Gegenteil der Fall ist. Insbesondere in Ostdeutschland: Bereits im September finden in den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Wahlen statt, bei denen ein Sieg der AfD mit einem Ergebnis von fast 40 Prozent erwartet wird. Es ist klar, dass man die AfD in keinem dieser Bundesländer an die Macht kommen lassen will, doch angesichts solcher Stimmenzahlen wird dies immer schwieriger. Zumal kürzlich bekannt wurde, dass die erste der deutschen Parteien bereit ist, von ihrem Boykott der AfD – also der sogenannten "Brandmauer", mit deren Hilfe die Elite verhindert, dass die AfD an die Macht gelangt – abzurücken.
Die jüngste der Parteien auf Bundesebene – das "Bündnis Sahra Wagenknecht" (BSW) – schaffte es bei den letzten Wahlen zwar nicht, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden und damit in den Bundestag einzuziehen, doch in den östlichen Bundesländern ist ihre Unterstützung höher. Bei den Wahlen im September könnte sie in die Landtage beider Bundesländer gewählt werden – und schlägt der AfD bereits jetzt vor, Fernsehdebatten zu führen. Weidel lehnte den Vorschlag ab und erklärte, dass die Partei von Sahra Wagenknecht zunächst in die Landesparlamente einziehen müsse, bevor ein Dialog zwischen den Parteien beginnen könne.
Es ist verständlich, dass die AfD ihre Wählerschaft nicht mit anderen teilen will: Obwohl die AfD als rechtsextrem und das BSW als links bezeichnet werden, haben sie in Wirklichkeit genügend Gemeinsamkeiten, insbesondere in ihrer Haltung zur illegalen Migration. Was aber noch wichtiger ist: Beide politischen Kräfte sind systemkritisch und anti-elitär, und sowohl Alice als auch Sahra sind charismatische, eigenständige Führungspersönlichkeiten. Es handelt sich also weniger um ein Bündnis zwischen Rechtsextremen und Linksextremen als vielmehr um eine Koordinierung des Vorgehens zwischen zwei systemkritischen politischen Kräften, die einen grundlegenden Macht- und Kurswechsel anstreben. Und in diesem Sinne sind sie zur Zusammenarbeit "gezwungen" – denn wenn die beiden Parteien bei den Wahlen im September zusammen die Hälfte der Mandate in den Landesparlamenten gewinnen, wird es schlicht unmöglich sein, sie zu blockieren.
Bei den Wahlen im September steht "auf dem Spiel, in welche Richtung sich die Bundesrepublik Deutschland bewegen soll". Aber findet die Bundestagswahl nicht erst in drei Jahren statt? Ja, doch die Tendenz ist bereits klar. Ganz zu schweigen davon, dass es sehr schwierig sein wird, die Koalition aus CDU/CSU und SPD aufrechtzuerhalten – nicht nur bis 2029, sondern womöglich nicht einmal bis ins nächste Jahr hinein. Die Lage in der Koalition ist äußerst instabil, während Alice Weidel unterdessen an Popularität gewinnt und sich überzeugt zeigt, dass sie unweigerlich das Amt der Bundeskanzlerin übernehmen werde. Und unter ihrer Führung (oder der ihres Mitstreiters) wird Deutschland der Ukraine keine Zahlungen mehr leisten. Im Gegenteil: Wie Weidel kürzlich erklärte, müsse die Ukraine Deutschland eine Entschädigung für die Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines und den Verlust günstiger Energielieferungen zahlen. Denn "günstige Energie aus Russland" sei das Erfolgsgeheimnis von "Made in Germany" gewesen:
"Wir müssen sie zurückgewinnen. Der Verlust dieser Energie hat uns um Jahre zurückgeworfen. Hunderttausende Arbeitsplätze sind verloren gegangen. Das hat uns von den USA abhängig gemacht, die uns Energie zu weitaus höheren Preisen verkaufen."
Und das sagt Weidel, die nicht dem russlandfreundlichen, sondern vielmehr dem proamerikanischen, proatlantischen Flügel der AfD zugerechnet wird. Tatsache ist jedoch, dass die AfD als letzte Kraft in der deutschen Politik eine realistische Haltung bewahrt hat. Und genau deshalb spricht man dort nicht nur davon, was im Interesse Deutschlands liegt (was die Deutschen auch hören wollen), sondern stellt sich auch entschieden gegen einen EU-Beitritt der Ukraine. Es ist offensichtlich, dass dies ohnehin nicht geschehen wird, doch in Moskau wird man in Erinnerung behalten, welche der deutschen Parteien sich als einzige konsequent gegen die "Entführung der Ukraine" stellte und welche auf jede erdenkliche Weise mit dem Slogan "Die Ukraine ist Europa" spekulierte.
Die heutigen deutschen Eliten können die AfD-Vertreter zwar als "Putins Marionetten" und "Vaterlandsverräter" beschimpfen, doch mit der Zeit wird deutlich werden, dass nur dank der Haltung dieser Partei die Möglichkeit zur Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern erhalten geblieben ist.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 2. Juli 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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