Meinung

Russlands Antwort auf den Terror ist immer dieselbe – und unabwendbar

Wie geht man mit Terroristen um, wenn Zugeständnisse und Verhandlungen bekanntlich nichts bringen? Es ist der ständige Beschuss ziviler Ziele durch die ukrainischen Streitkräfte, die diese Frage wieder einmal aktuell macht.
Russlands Antwort auf den Terror ist immer dieselbe – und unabwendbarQuelle: RT © Screenshot aus dem RT-Video

Von Dmitri Grunjuschkin

Üblicherweise wird angenommen, dass Terror und Terrorismus das Los kleiner, aber hyperaktiver politischer Organisationen ist, die nicht über genügend Ressourcen verfügen, um ihren Willen auf andere Weise durchzusetzen. Sie haben nicht genug Geld. Sie werden gewaltsam von jeglicher Einflussnahme im rechtlichen Bereich ausgeschlossen. Sie haben keine Vertreter in den Organen der Macht, doch sie sind des Glaubens, dass ihre Sache richtig ist und die Gesellschaft nur einen kleinen Anstoß in die richtige Richtung benötigt, damit die Geschichte den gewünschten Verlauf nimmt. Und da es im Prinzip kein Zuckerbrot gibt, bleibt nur die Methode der Peitsche.

Doch das stimmt nur zum Teil. Manchmal setzen auch Staaten die Taktik des Terrors ein. So griff Hitlers Armee während des Krieges gegen die Sowjetunion vor allem militärische und infrastrukturelle Objekte der UdSSR an, aus der Luft und mit Artillerie, und was trotz aller Brutalität nicht als Terror bezeichnet werden konnte. In den besetzten Gebieten setzten sie jedoch diese Technik in vollem Umfang gegen die Partisanen ein. Ein Dorf niederzubrennen, das mit den Partisanen in Kontakt stand, und zwar zusammen mit seinen Bewohnern, damit andere Angst bekämen und den Partisanen nicht mit Informationen oder Lebensmitteln helfen, das war für sie die Norm.

In Wahrheit, und so auch in diesem Fall, haben die "überempfindlichen" Deutschen zum Teil versucht, die Drecksarbeit freiwilligen Helfern aus den Reihen der Hilfspolizei (die sog. Schutzmannschaften - Anm. der Red.) und der Bandera-Kämpfer zu überlassen: Khatyn wurde beispilesweise nicht von den Deutschen verbrannt, obwohl unter deren Aufsicht.

Dieselbe Methode, nur in einem anderen Maßstab, wurde während der Blockade von Leningrad angewandt. Um den Widerstandswillen der Stadt zu brechen, haben die Deutschen und ihre Verbündeten gezielt Wohnviertel mit Artillerie aller Kaliber systematisch beschossen. Es hat nicht funktioniert.

Angriffe zum Zwecke der Einschüchterung statt der Zerstörung militärischer Infrastrukturen waren auch bei den Angelsachsen an der Tagesordnung. Zu den besten Beispielen gehört Dresden, das von den alliierten Luftstreitkräften durch die Bombardierungen am 13. und  15. Februar 1945 vollständig zerstört wurde. Die halbe Millionenstadt, geflutet mit Hunderttausenden von Flüchtlingen, wurde von den Alliierten zum Testobjekt für die Technik des "Feuertornados". Auf die Stadt wurden außer Sprengbomben mehr als eine halbe Million Brandbomben abgeworfen. Die Brände formten sich zu einem gigantischen Feuer, die glühende Luft wurde schnell nach oben getragen und saugte die Luft aus der Umgebung in das lodernde Inferno. Die Menschen wurden mit unglaublicher Wucht in den entstandenen Tornado hineingezogen. Eine militärische Notwendigkeit für die Zerstörung von Dresden bestand nicht.

Über die Notwendigkeit der Atomangriffe auf Hiroshima und Nagasaki wird immer noch gestritten. Vielleicht haben sie den Kaiser tatsächlich beeinflusst, die Kapitulation zu unterzeichnen und dadurch geholfen, das Leben tausender amerikanischer Soldaten zu retten, die gestorben wären, wenn sie auf den japanischen Inseln hätten landen müssen. In jedem Fall aber war es ein Akt der Einschüchterung. Das ist Terror.

Warum wir über dieses Thema sprechen? Weil die neonazistische Militanten wie Asow-Batallion und die ukrainischen Streitkräfte (obwohl ich nicht verstehe, warum sie offiziell aufgeteilt werden, wenn sie dasselbe tun) genau diese Methode anwenden, die Methode, die ihnen die britischen und amerikanischen Lehrer eingetrichtert haben. Angriffe auf Wohngebiete, städtische und somit zivile Infrastrukturen, Schulen, Krankenhäuser und auf Zivilisten, die versuchen zu fliehen, sind klassischer Terrorismus. Diese Aggressionen haben keine militärische Bedeutung; ihr einziger Zweck ist es, die Bevölkerung zu demoralisieren.

Man könnte natürlich auch Aussagen wie "in ohnmächtiger Wut rächen sich die Nazis" und so weiter verwenden, aber das ist nicht der Fall. Es ist keine machtlose Wut, das ist eine bewusste Methode. Man achte darauf, sie haben dies schon lange vor dem Beginn der militärischen Spezialoperation getan. In Mariupol töteten sie Zivilisten, als die "Donezker" sich gerade erst der Stadt näherten. Der weitere Kampfverlauf war noch mit Mistgabel auf dem Wasser geschrieben und es war noch kein Untergang in Sicht.

Das Lustige daran ist – wenn der Begriff in dieser Situation überhaupt angebracht ist – dass diese Methode nicht funktioniert. Niemals.

Solche Fälle, in denen eine Gesellschaft oder Regierung vor Terroristen, welche Zivilisten töten, zurückweicht, sind extrem selten. Dafür muss die Gesellschaft bereits zweigeteilt sein und die Behörden ihrerseits müssen dumm und zahnlos sein.

In den meisten Fällen erteilen die Behörden der (betroffenen) Länder grundsätzlich eine Absage an Verhandlungen mit Terroristen und an die Erfüllung von deren Forderungen. Manchmal werden sogar Opfer unter den Geiseln in Kauf genommen, ganz einfach, weil Verhandlungen und noch mehr Zugeständnisse, eindeutig solche Aktionen provozieren.

Ferner führen Terroranschläge oft zum Gegenteil dessen, was die Terroristen vorhatten. Der Überfall der Banditen Bassajew und Khattab auf Dagestan führte zu einem Vergeltungsschlag, dem zweiten Tschetschenien-Feldzug, der zur vollständigen Niederlage der Terroristen und zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung in Tschetschenien führte. Und der Anschlag auf die Zwillingstürme in New York provozierte den Angriff der USA auf den Irak und die Invasion Afghanistans, woraufhin im Nahen Osten ein blutiges Chaos ausbrach, das bis heute nicht aufgehört hat. Wohl kaum haben die Autoren dieser Attentate ein solches Ziel verfolgt, außer natürlich, der Leser ist ein Anhänger der Verschwörungstheorie, dass die CIA die ganze Sache eingefädelt habe.

Haben die (ukrainischen) Nazis eine Chance, durch die Methode des Terrors Zugeständnisse, Präferenzen und eine Stärkung ihrer Verhandlungsposition zu erreichen? Um so zu denken, muss man die Mentalität der Russen überhaupt nicht verstehen. Das einzige Mal, dass die russische Regierung den Terroristen Zugeständnisse machte, war während des Geiseldramas in Budjonnowsk. Man erinnere sich an den schändlichen Tschernomyrdin-Spruch "Schamil Bassajew, sprechen Sie lauter" (Der damaliger russischer Premier Wiktor Tschernomyrdin hat mit Terroristen am Telefon verhandelt - Anm. der Red.). In allen anderen Fällen hat Russland nicht immer schnell, aber ausnahmslos immer unabwendbar und äußerst effektiv reagiert. Wieso sollte es dieses Mal anders sein?

Übersetzt aus dem Russischen. Dieser Artikel erschien zuerst bei vz.rz

Mehr zum Thema - Liveticker zum Ukraine-Krieg - Die nächste Industrieruine? Ukraine beschießt Kokerei Makejewka

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.