Meinung

"Terrorakt": Über den ukrainischen Beschuss eines Gemüsemarktes in Donezk

In der ostukrainischen Großstadt Donezk sind am 28. April fünf Menschen durch Trümmer einer ukrainischen Rakete getötet worden. Zudem wurden 23 Menschen verletzt. Die kanadische Journalistin Eva Bartlett spricht im Zusammenhang mit den Angriff von einem Terrorakt.
"Terrorakt": Über den ukrainischen Beschuss eines Gemüsemarktes in Donezk© Eva Bartlett

von Eva Bartlett

Als die ukrainische Raketenartillerie am 28. April einen belebten öffentlichen Markt in Donezk beschoss, erinnerte mich das an Angriffe in Gaza und Syrien. Würde sich der Marktplatz von Donezk in einer von Kiew kontrollierten Stadt befinden, wären die Namen und Gesichter der fünf getöteten Zivilisten auf allen wichtigen Nachrichtenseiten zu finden. Da es sich jedoch um einen (von vielen) ukrainischen Angriffen auf Zivilisten in der Volksrepublik Donezk (DVR) handelte, werden die fünf Toten und 23 weiteren verletzten Zivilisten mit ziemlicher Sicherheit nicht erwähnt. In den acht Jahren des Krieges im Donbass haben die westlichen Medien solche Angriffe grundsätzlich ignoriert.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der DVR "kamen bei dem Beschuss im Stadtteil Tekstilschik im Bezirk Kirovsky vier Menschen sofort ums Leben. Ein Patient starb während des Transports in einem Krankenwagen".

Mit einem Journalisten fuhr ich mit einem Taxi zu dem zerbombten Markt. Als wir ankamen, lagen zwei der Toten noch am Ort, ausgebreitet auf dem Boden. Die anderen Leichen waren bereits entfernt worden, aber Spuren ihres Blutes sah man noch auf dem Boden. Einige Türen in der Nähe waren von Schrapnelllöchern durchlöchert und Trümmer des Raketenbeschusses lagen überall herum.

Vermutlich hatten sich die Rettungskräfte zuerst um die Verletzten gekümmert und nicht die Bergung aller Toten priorisiert, da weitere ukrainische Bombardierungen möglich waren. Ich habe das während meiner Erfahrung in Gaza gesehen, wo die Israelis darauf warteten, dass Menschen zum Schauplatz ihres Angriffs kamen und dann erneut bombardierten.

Laut Gennadi Andrejewitsch, einem örtlichen Mitarbeiter der Sicherheitskommission des Distrikts, trafen Grad-Raketen um 11:40 Uhr zwei verschiedene Märkte in der Nähe: den Gemüse- und Kleidermarkt, wo fünf Menschen umkamen, und einen Markt für Haushaltschemikalien und Baumaterialien auf der anderen Straßenseite. Letzterer war weitaus stärker beschädigt, Stände vollständig ausgebrannt, aber niemand wurde dort getötet.

Gennadi ging mit uns zum Gemüsemarkt und sprach über frühere ukrainische Angriffe, die seit 2014 stattfinden. In jüngster Zeit gingen Granaten in der Nähe einer Tankstelle außerhalb des Marktes zu Boden. Sie trafen ein Wohngebäude hinter dem Markt und ein Gebäude der Marktverwaltung. Zwei seiner Kollegen wurden getötet.

Er erklärte, dass der Markt zu dieser Tageszeit voller Menschen war und dass die Ukraine sehr gut weiß, worauf sie schießt. "Sie wissen, dass hier ein Markt ist und dass von 10 bis 13 Uhr viele Menschen hier sind", sagte Gennadi, als wir an Geschäften vorbeigingen. "Dies ist ein komplett ziviles Gebiet, es gibt hier keine militärischen Einrichtungen."

Wer greift sonst noch Märkte und öffentliche Räume an?

Angriffe auf überfüllte Märkte und Straßen zu einer geschäftigen Tageszeit gehörten jahrelang zur gängigen Praxis der Terroristen in Syrien. Die westlichen Medien haben das völlig verschwiegen. Auch Israel macht das schon seit langem, es bombardiert Wohngebiete und öffentliche Bereiche in Gaza – einem der am dichtesten besiedelten Orte der Erde.

Während des Gazakrieges 2009 bombardierte Israel überfüllte Moscheen, Krankenhäuser und Gebäude, in denen vertriebene Palästinenser untergebracht waren.

Einer der bemerkenswertesten Vorfälle war, als Tel Aviv eine von den Vereinten Nationen betriebene Schule in Jabaliya ins Visier nahm, in der fast 1.500 Menschen untergebracht waren. Mindestens 40 wurden getötet.

Ein weiterer schrecklicher Angriff auf einen überfüllten Ort fand im Zeitoun-Distrikt statt, nachdem israelische Soldaten fast 100 Mitglieder der Großfamilie Samouni mit vorgehaltener Waffe in ein Haus zwangen und es später bombardierten, wobei 48 Mitglieder des Clans getötet wurden.

Die Altstadt von Damaskus ist ein Labyrinth aus verwinkelten Gassen, sich überschneidenden Häusern, Kirchen, Moscheen, Schulen, überfüllten Restaurants im Freien und Märkten. Terroristische Fraktionen, die Ost-Ghouta besetzten, schossen am häufigsten, wenn Kinder zur Schule gingen oder von dort zurückkamen, und die Menschen zu den Märkten gingen.

Noch heute findet man beim Spaziergang durch die Altstadt von Damaskus Spuren von Mörsergranaten. Und wenn Sie durch diese Gassen gehen, werden Sie sehen, wie überfüllt sie normalerweise sind, was bedeutet, dass viele Menschen durch eine einzige Mörserexplosion verletzt und getötet worden wären.

Ich könnte noch weitere solcher Terroranschläge in Syrien, in Palästina und anderswo benennen, doch ein Punkt ist absolut klar: Wenn die Ukraine einen überfüllten Markt bombardiert, ist dies ein vorsätzlicher Terrorakt. Ebenso wie die unablässige Bombardierung von Häusern in den Donbass-Republiken durch die Ukraine in den letzten acht Jahren.

Westliche Medien werden darüber nicht berichten; westliche Politiker werden das nicht verurteilen; die Verkünder der westlichen Werte werden nicht darüber sprechen. Und wenn Sie tatsächlich hingehen und das dokumentieren, wird man sie unerbittlich zum Schweigen bringen.

Mein erster Tweet über den Marktangriff wurde getrollt, das war vorhersehbar. Sie behaupteten, die Leichen seien Fälschungen, das Bombenattentat habe nie stattgefunden, und forderten Beweise.  

Da meine Beobachtungen und Fotos sowie Gennadis Aussage immer noch nicht Beweis genug sein werden, habe ich auch die Aufnahmen eines Einheimischen in mein Video mit reingenommen. Er war auf dem Markt, als er bombardiert wurde, und hat die unmittelbaren Folgen gefilmt. Gennadi selbst zeigte auf seinem Handy Fotos von Feuerwehrleuten, die die Flammen löschen, und Szenen von Verwundeten und Toten, die eindeutig von neuen Bombentrümmern umgeben sind.

Soweit sind wir heute gekommen: Die Ukraine, die oft vom Westen erworbene Waffen einsetzt, kann weiterhin stark belebte zivile Gebiete der Donbass-Republiken bombardieren und noch mehr Zivilisten töten. Die Heuchler des Westens sind erpicht darauf, Russland der Kriegsverbrechen zu beschuldigen (die sie nie beweisen können und die oft voller Widersprüche sind). Doch die  Medien und Trollfabriken arbeiten im Gleichschritt, um die Öffentlichkeit zu vergiften und die Kriegsverbrechen der Ukraine zu beschönigen.

Übersetzt aus dem Englischen

Eva Bartlett ist eine kanadische unabhängige Journalistin. Sie hat Jahre vor Ort verbracht und aus den Konfliktzonen im Nahen Osten berichtet, insbesondere in Syrien und Palästina (wo sie fast vier Jahre gelebt hat). Die Autorin erhielt 2017 den Internationalen Journalistikpreis für Internationale Berichterstattung des Mexikanischen Presseklubs. Außerdem bekam sie als erste Journalistin den Serena Shim Preis für kompromisslose Integrität im Journalismus, und kam 2017 in die engere Wahl für den Martha-Gellhorn-Preis für Journalistik. 

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