Meinung

Die Vereinigten Staaten haben mit der Plünderung Europas begonnen

Neben dem offenen Krieg gegen Russland führe Washington auch einen verdeckten gegen die Europäische Union, meint Wladimir Prochwatilow. Europa drohe wirtschaftlich und migrationspolitisch große Krisen.
Die Vereinigten Staaten haben mit der Plünderung Europas begonnenQuelle: www.globallookpress.com © Marco Alpozzi/Keystone Press Agency

von Wladimir Prochwatilow

Die Vereinigten Staaten sind auf Kurs, die Ukraine mit möglichst vielen Waffen und militärischer Ausrüstung zu versorgen. Ihr Ziel ist eindeutig: Russland einen Zermürbungskrieg aufzuzwingen und es maximal zu schwächen. Die Ukraine und ihre Bürger agieren in diesem Zusammenhang als Verbrauchsgüter. Im Rahmen des Pentagon-Konzepts eines Multidomänenkrieges wird ein Informations-, Bewegungs- (Kampf-) und Ressourcenkrieg gegen Russland geführt. Das ist kein Geheimnis. Jedoch ahnt bisher noch niemand etwas über den geheimen Krieg der USA gegen die Europäische Union.

Unterdessen ist die Europäische Union ein gefährlicher zivilisatorischer und wirtschaftlicher Konkurrent der Vereinigten Staaten und dem Mitläufer Großbritannien. Momentan sind die Amerikaner erfolgreich darin, die Europäische Union in ihre eigene Krypto-Kolonie zu verwandeln. Sie nötigen Europa, das russische Öl und Gas aufzugeben, und raten, sich an Energiequellen aus Übersee zu gewöhnen.

Derzeit reduzieren die Vereinigten Staaten ihre Lieferungen von Flüssiggas (LNG) an den asiatischen Märkten zugunsten Europas. Laut einer Erklärung auf der Webseite des Weißen Hauses haben die Vereinigten Staaten mit der Europäischen Union vereinbart, in diesem Jahr die Lieferung von mindestens 15 Milliarden Kubikmetern LNG nach Europa sicherzustellen, um die russischen Exporte zu ersetzen. "Die Parteien haben beschlossen, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu schaffen, um die Abhängigkeit Europas von Energieimporten aus Russland zu verringern. Die USA stellen eine strenge Auflage an die Europäische Union: 'Europa muss für den Treibstoff einen Aufpreis bezahlen und dadurch die Nachfrage asiatischer Verbraucher ausbieten'", schreibt Forbes.

Am 25. März hat Deutschland auf Druck der Vereinigten Staaten "einen Plan vorgelegt, um den Import russischer Energieressourcen praktisch vollständig bis Mitte 2024 einzustellen", berichtete Bloomberg. Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck betonte, das Land wolle bis Mitte des Jahres den Import russischen Erdöls reduzieren und bis Ende 2022 davon "nahezu unabhängig" werden. Bis zum Herbst könnte Deutschland auch die Importe russischer Kohle drosseln. Vor dem Hintergrund der US- und EU-Sanktionen gegen russische Energieexporte ist Russland erfolgreich daran, die Öl- und Gasexporte aus den USA und der EU nach Asien umzuleiten, was in naher Zukunft zu einem "wirtschaftlichen Schock" für die ganze Welt wird und insbesondere für die Alte Welt, schreibt der britische The Guardian. Der "ökonomische Schock" liegt in dem Preisaufschlag für amerikanisches Gas, den die Europäer für das LNG zu zahlen gezwungen werden.

Der europäische Gasmarkt ist der Hinterhof des globalen LNG-Marktes, weil er vollständig von der Konjunktur der asiatisch-pazifischen Region (APR) abhängig ist, da der asiatische Markt physisch weitaus größer ist. Wenn die LNG-Preise in Asien fallen, folgen ihnen die Preise in Europa, und umgekehrt. Die Umleitung von LNG-Strömen aus den USA nach Europa wird zu einem Anstieg der Gaspreise im asiatisch-pazifischen Raum führen, und amerikanische Gastransportunternehmen werden wieder nach Asien umdrehen, falls die EU die oben genannte US-Bedingung nicht erfüllt – für Gas mit einem Zuschlag zu bezahlen. Schlussendlich wird die Europäische Union genötigt, das russische Erdgas aufzugeben und für Strom und Wärme absolut astronomisches Geld bezahlen.

Schon jetzt steht die europäische Wirtschaft kurz vor dem Zusammenbruch. Ein kompletter Verzicht auf russische Energieträger wird für die Europäische Union eine echte Katastrophe. Vor dem Hintergrund der wachsenden Wirtschaftskrise haben sich die größten amerikanischen Investmentfonds wie BlackRock und Vanguard in allen bedeutenden europäischen Industrie- und Finanzstrukturen eingekauft. Und wenn sich die Öffentlichkeit Frankreichs über diese unglückliche Tatsache empören darf, so ist es in Deutschland umgekehrt, als ob der Mund voller Wasser wäre.

Die Vereinigten Staaten eröffneten auch die zweite Front des zivilisatorischen Krieges gegen die Alte Welt – die Migrationsfront. Proamerikanische Handlanger an der Spitze der EU-Staaten ignorieren eine weitere unkontrollierte Einwanderungswelle. Die europäischen Eliten haben weitgehend ihren Willen und die europäischen Staaten haben ihre Handlungsfähigkeit in Bezug auf ihre unmittelbaren Interessen verloren. Als Europa 2017 von einem riesigen Flüchtlingsstrom aus Syrien überrollt wurde, weigerte sich die Europäische Union unter dem Druck der öffentlichen Meinung lange Zeit, Hunderttausende Migranten aus dem Nahen Osten aufzunehmen. Das amerikanische Beratungsunternehmen McKinsey, das eng mit der CIA verbunden ist, hat sich jedoch durch die europäischen Bürokraten gedrängt und die Logistik für die Aufnahme und Unterbringung einer ganzen Million neuer Migranten in Europa entwickelt.

Inzwischen sind zahlreiche Einwanderergemeinschaften aus den Ländern der islamischen Welt, von denen sich viele im vergangenen halben Jahrhundert in Europa gebildet haben, gut organisiert und de facto selbst verwaltet. Muslimische Gemeinschaften in der Alten Welt lösen heute fast alle innerstaatlichen Probleme selbstständig. Zahlreiche muslimische Privatschulen schaffen es sogar, staatliche Subventionen zu erhalten. Muslimische Diaspora übernehmen die Kontrolle über den Drogenhandel der traditionellen europäischen Mafia. Viele muslimische Gemeinschaften in Europa sind bereits von den lokalen Behörden isoliert, da sie umfangreiche Mittel aus Katar, Saudi-Arabien und der Türkei über Moscheen, Kulturzentren und Wohltätigkeitsorganisationen erhalten.

Chaos und Unruhen in den EU-Staaten werden noch wahrscheinlicher vor dem Hintergrund von Millionen Auswanderern aus der Ukraine, deren Zahl heute exponentiell wächst (1. März – 0,68 Millionen; 16. März – 3,2 Millionen; 1. April – 4,2 Millionen; 7. April – 4,4 Millionen), und wenn sich dieser Aufwärtstrend nicht ändert, werden bis Anfang des Sommers möglicherweise mehr als zehn Millionen Menschen aus der Ukraine ausgewandert sein. Europa steht vor einer humanitären Katastrophe großen Ausmaßes, die durch keine Finanzspritzen kupiert werden kann. Die Energiekrise und die daraus resultierende Industriekrise nehmen zu. Weil die Europäische Union gehorsam den Vereinigten Staaten nacheifert, wird sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern, weil Europa einen höheren Preis für amerikanische Energieressourcen bezahlen wird, als für dasselbe aus Russland. Mittelfristig wird sich die Europäische Union am Rande eines Bürgerkriegs wiederfinden. Und die Vereinigten Staaten werden ihr strategisches Ziel durch die Ausmerzung ihres zivilisatorischen Hauptkonkurrenten von der geopolitischen Arena erreichen.

Übersetzt aus dem Russischen. Dieser Artikel erschien zuerst bei VZ.ru.

Wladimir Prochwatilow ist Präsident der Akademie für Realpolitik.

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