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Danke, bitte nicht! Wie russische Diplomatenkinder zu US-Bürgern werden sollen

Während Präsident Trump versucht, Ordnung in das von seinen Vorgängern verursachte Chaos im amerikanischen Einwanderungswesen zu bringen, schmieden seine eigenen Mitarbeiter hinter seinem Rücken Intrigen – und belasten die ohnehin schon angeschlagenen russisch-amerikanischen Beziehungen. Ausgerechnet auf dem Feld der Einwanderung.
Danke, bitte nicht! Wie russische Diplomatenkinder zu US-Bürgern werden sollenQuelle: Sputnik © Jekaterina Tschesnokowa

Von Maria Sacharowa

Eines der wichtigsten Wahlversprechen Trumps lautete: keine Legalisierung illegaler Migranten.

Gesagt, getan. Doch der "Deep State", der offensichtlich bereits in eine andere Richtung rudert – vom derzeitigen Präsidenten weg, hin zu einem nächsten –, betreibt das genaue Gegenteil.

Stellen Sie sich folgende Situation vor.

Ein in den USA tätiger russischer Diplomat erhält einen Anruf aus dem US-Außenministerium. Man könnte meinen, es sei Bewegung in die eingefrorenen Kontakte gekommen. Nun, ein Kontakt ist zwar zustande gekommen, aber kein professioneller:

– "Mister [...]?", fragt der Mitarbeiter des US-Außenministeriums.
– "Ja", antwortet der russische Diplomat.
– "Haben Sie einen Sohn namens Iwan?", fährt die Stimme am Telefon fort.
– "Ja ...", das Herz des Mannes, der gerade bei der Arbeit im Büro sitzt und sein Kind in einer ein paar Kilometer entfernten Schule zurückgelassen hat, rutscht in die Socken.
– "Das US-Außenministerium teilt Ihnen mit, dass Ihr Sohn amerikanischer Staatsbürger ist", sagt der Mitarbeiter des Außenministeriums oder die integrierte KI.

Es folgt ein Dialog, um den die besten surrealistischen Dystopiker vor Neid erblassen würden:

– "Mein Sohn ist russischer Staatsbürger und besitzt keine andere Staatsangehörigkeit. Darüber hinaus hat das US-Außenministerium meinem Sohn als Familienangehörigem eines Diplomaten wiederholt US-Visa ausgestellt. Das widerspricht sowohl dem gesunden Menschenverstand als auch der US-Gesetzgebung", erinnert sich der russische Diplomat augenblicklich an alles, was er im Studium gelernt hat, an alle Reden von Lawrow und an das gesamte Völkerrecht.
– "Ihrem Sohn wurde die US-Staatsbürgerschaft unabhängig von seinem Willen aufgrund seiner Geburt auf amerikanischem Boden verliehen. Dass weder er noch Sie jemals darüber informiert und ihm Visa ausgestellt wurden, ist ein technischer Fehler", liest die Stimme am Telefon von einem Zettel ab.
– "Aber wir brauchen keine US-Staatsbürgerschaft, wir haben nicht darum gebeten und werden sie niemals annehmen", schreit der russische Diplomat förmlich.
– "Nehmen Sie es zur Kenntnis: Ihr Kind ist unser Staatsbürger, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen, und Sie können das nicht ablehnen!"

Das Gespräch bricht ab, ebenso wie die Logik von allem, was die USA im Inland und im Ausland tun.

Nein, hier darf man die Schuld nicht bei russischen Diplomaten suchen. Sie trifft keine. Die Kollegen arbeiten und erledigen Formalitäten gemäß russischem Recht und den Anforderungen der Wiener Konventionen. Sie respektieren die Gesetze der USA.

Wenn Kinder auf US-amerikanischem Territorium geboren werden, beantragen sie sofort die russische Staatsbürgerschaft für sie, wohl wissend, dass es mit der amerikanischen Staatsbürgerschaft keine Probleme geben wird, da das "Geburtsortprinzip" gemäß den lokalen Gesetzen nicht automatisch für Diplomaten gilt – niemand kann sie zwingen, eine fremde Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Aber wie man so schön sagt: Das Gesetz in den USA ist zwar keine Deichsel, aber eine Teeparty bei einem Verrückten.

Und nun dasselbe, aber ernsthaft.

Der "Deep State" in den USA hat ein neues Problem geschaffen, um Druck auf russische Diplomaten auszuüben, ohne sich darum zu scheren, dass dies ein eklatantestes Beispiel für den Niedergang der berüchtigten "amerikanischen Demokratie" ist. Jetzt haben das US-Außenministerium oder diejenigen, die hinter dem diplomatischen Vorhang der USA stehen, begonnen, die US-Staatsbürgerschaft buchstäblich gewaltsam auf Kinder von Mitarbeitern russischer Konsulate vor ihrer Volljährigkeit zu erstrecken, unter dem Vorwand des in der US-Verfassung verankerten "Geburtsortsprinzips" (ius soli - d. Red.) und der angeblich begrenzten Natur der konsularischen Immunität.

Es ist Unsinn und ein Verstoß gegen alles und jeden, ein Schlag gegen den eigenen Präsidenten – aber wen kümmert das, wenn es um den nächsten Akt der Russophobie geht, die von der Demokratischen Partei so sehr gepflegt wird.

Diese diskriminierende Praxis gegenüber russischem Personal wird seit dem Jahr 2023 angewandt, als wollte jemand Trump absichtlich eine Falle stellen, um ihn vor allem in ein äußerst schlechtes Licht zu rücken. Vor den in die USA geladenen lateinamerikanischen Arbeitern, die während der Pandemie Amerika buchstäblich auf ihren Schultern aus der Hölle gezogen haben, vor der Wählerschaft, vor der internationalen Gemeinschaft, die mit Erstaunen beobachtet, wie ihren Landsleuten die US-Staatsbürgerschaft verweigert wird und sie in Schande nach Hause geschickt werden, während russischen Diplomaten die Staatsbürgerschaft gewaltsam aufgezwungen wird. Ein Comic über Spider-Man, der sich in seinem eigenen Spinnennetz verheddert hat.

Ich wiederhole: In diesem Zeitraum wurden keine Änderungen an der amerikanischen Verfassung vorgenommen, und auch die bilateralen Abkommen über diplomatische und konsularische Beziehungen änderten sich nicht.

Übrigens ist die Ausnahme für Kinder ausländischer Diplomaten in fast allen internen Vorschriften festgeschrieben. Diesem Punkt sind ein ganzes Kapitel im strategischen Leitfaden der US-Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde sowie ein Absatz im Code of Federal Regulations gewidmet. In beiden Dokumenten wird eindeutig festgelegt, dass Kinder ausländischer Diplomaten die US-Staatsbürgerschaft nicht nach dem "Geburtsrecht" erhalten, da sie diplomatische Immunität genießen und nicht uneingeschränkt der Gerichtsbarkeit des Aufenthaltslandes unterliegen.

Darüber hinaus wurde diese Rechtsnorm bereits 1898 vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Verfahren "USA gegen Wong Kim Ark" bestätigt. Hier ein Zitat aus dem Urteil:

"Die Voraussetzung, dass sich eine Person unter der Gerichtsbarkeit der Vereinigten Staaten befindet, schließt die Anwendung dieser Regel auf Kinder aus, die von diplomatischen Vertretern eines ausländischen Staates geboren wurden, auf Kinder, die von feindlichen Ausländern während einer Besatzungszeit geboren wurden, sowie auf Kinder von Angehörigen indianischer Stämme, die den Gesetzen ihrer Stämme unterliegen."

Die amerikanische Seite war immer so stolz auf ihr Präzedenzrecht, dass das vollständige Ignorieren dieses wohlbekannten Urteils ein eindeutiges Bild von den Handlungen des US-Außenministeriums zeichnet.

Es ist bezeichnend, dass die derzeitige verstärkte Aktivität des US-Außenministeriums in der Angelegenheit der unrechtmäßigen Vergabe der amerikanischen Staatsbürgerschaft an Kinder von Mitarbeitern russischer diplomatischer Vertretungen – die diese zwar nicht benötigen, der Verzicht darauf von den lokalen Behörden aber auch nicht ermöglicht wird – gerade jetzt stattfindet, wo auf der Grundlage von Vereinbarungen zwischen den Staatschefs Russlands und der USA versucht wird, derartige "Reizpunkte" zu beseitigen.

Von wegen Reizpunkte. Tausende Bürger werden aus den USA abgeschoben, die jahrelang versucht haben, sich einbürgern zu lassen, und darum gebettelt haben, ihnen die Staatsbürgerschaft oder wenigstens irgendein Dokument zu gewähren; sie haben keine lokalen Gesetze verletzt, sie haben ehrlich zum Wohle ihrer vermeintlichen neuen Heimat gearbeitet und der vorherigen Regierung im Weißen Haus vertraut.

Urteilen Sie selbst. US-Präsident Trump setzt sich dafür ein, die automatische Verleihung der Staatsbürgerschaft an im amerikanischen Hoheitsgebiet geborene Kinder ausländischer Staatsangehöriger zu beenden. Das Weiße Haus, das Justizministerium und das Ministerium für innere Sicherheit der USA haben eine großangelegte, beispiellose Anti-Einwanderungskampagne gestartet. Ihr Ziel ist es, den Zustrom von Einwanderern zu verringern. Sie schrecken vor nichts zurück, einschließlich der Nachprüfung von Daten, die im Rahmen des Einbürgerungsverfahrens vorgelegt wurden.

Die Presse berichtet von monatlichen Quoten für Ermittlungen zum möglichen Entzug der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Es kursieren Informationen, wonach die Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) bereits im Jahr 2025 grünes Licht für den Einsatz von Spionagesoftware erhalten habe, die per Fernzugriff auf die Mobilgeräte illegaler Einwanderer und Aktivisten unter den US-Bürgern installiert werden soll, die sich gegen die Politik der Massenabschiebungen aussprechen.

Gleichzeitig verstoßen die USA systematisch gegen das Abkommen mit der UNO über den Gaststaat – sie erteilen ausländischen Diplomaten, die zu entsprechenden Veranstaltungen im UN-Hauptquartier entsandt werden, keine Visa. Eines der jüngsten Beispiele ist die Verhinderung der Teilnahme des stellvertretenden Direktors der Abteilung für Information und Presse des russischen Außenministeriums an der jährlichen Sitzung des Informationsausschusses der UN-Generalversammlung am 27. April 2026.

Vor diesem Hintergrund weckt ein derart demonstratives "punktuelles Interesse" der US-Behörden an Kindern von Mitarbeitern russischer Auslandsvertretungen echte Besorgnis. Weniger um unsere Diplomaten, als um die geistige Gesundheit der amerikanischen Beamten.

Die Unbeständigkeit in Washingtons Vorgehen in diesem Bereich grenzt an Bipolarität und lässt Zweifel daran aufkommen, ob es möglich ist, mit den US-Behörden eine Einigung in dieser für uns äußerst wichtigen und sensiblen Frage zu erzielen.

Zwangsmaßnahmen gegen das Personal unserer diplomatischen Vertretungen verstoßen gegen das Völkerrecht und gegen bilaterale Vereinbarungen, die Immunität vor der Jurisdiktion des Gastlandes garantieren. In Bezug auf Mitarbeiter konsularischer Vertretungen ist das Außenministerium verpflichtet, sich an die Bestimmungen des bilateralen Konsularabkommens von 1964 zu halten, das dieser Kategorie russischer Staatsbürger einen umfassenderen Umfang an Immunitäten gewährt als das Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen von 1963.

Gemäß Artikel 24 des Übereinkommens von 1964 sind Konsularbeamte oder Mitarbeiter einer konsularischen Vertretung sowie deren Familienangehörige von allen Arten von Zwangsverpflichtungen befreit. Seit mehr als 60 Jahren, seit dem Abschluss des Konsularübereinkommens von 1964, wurde dieses von den Vertragsparteien so ausgelegt und angewendet, dass es die Möglichkeit einer zwangsweisen Erstreckung der Staatsangehörigkeit des Aufenthaltsstaates auf Kinder von Konsularbeamten und Mitarbeitern der Konsularvertretungen des vertretenen Staates ausschließt. Und dabei geht es nicht nur um den Wortlaut des Gesetzes.

Die willkürliche Verleihung der US-Staatsbürgerschaft an Kinder von Mitarbeitern gibt Washington potenziell ein Druckmittel, um unlauteren Druck auf unser Personal auszuüben – was, wenn ein Kind unter einem Vorwand entführt wird, beispielsweise im Namen des Jugendstrafrechts oder der Notwendigkeit, es im Rahmen der nächsten Runde der "neuen Normalität" auf Genderkonformität zu überprüfen? Und solche Beispiele sehen wir nicht wenige.

Die russische Seite erkennt die Auferlegung der amerikanischen Staatsbürgerschaft für russische Staatsbürger, die in Familien unseres diplomatischen, administrativ-technischen und konsularischen Personals in den USA geboren wurden, nicht an. Wir werden von den Amerikanern in jedem Einzelfall eine Bestätigung verlangen, dass das Neugeborene nicht der Gerichtsbarkeit der USA unterliegt und über alle Immunitäten und Privilegien verfügt, die in den Wiener Übereinkommen über diplomatische und konsularische Beziehungen sowie in bilateralen Abkommen vorgesehen sind.

Übersetzt aus dem Russischen. Den Originalartikel publizierte am 4. Mai 2026 die Zeitung "Wedomosti".

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