Deutschland

Staatsanwaltschaft klagt AfD-Jungpolitiker wegen Verwendung von NS-Slogan an

Dem jungen AfD-Politiker Kevin Dorow aus Schleswig-Holstein stehen juristische Scherereien bevor. Denn die Staatsanwaltschaft Gießen wirft ihm vor, bei einer Rede eine Parole der Hitlerjugend verwendet zu haben. Ob es zum Prozess kommt, ist noch unklar.
Staatsanwaltschaft klagt AfD-Jungpolitiker wegen Verwendung von NS-Slogan an

Am 29. November 2025 ging es in der mittelhessischen Universitätsstadt Gießen hoch her. Es war der Gründungstag der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD). Draußen demonstrierte die "Zivilgesellschaft" und versuchte die Antifa, die AfD-Veranstaltung zu verhindern, drinnen in der Hessenhalle kämpften die Bewerber um Plätze im Vorstand des neuen Jugendverbands. Unvergessen etwa der skurrile Auftritt des Russlanddeutschen Alexander Eichwald.

Im Gegensatz zu Eichwald wurde der Schleswig-Holsteiner Kevin Dorow als Beisitzer in den GD-Bundesvorstand gewählt. Doch während seiner Bewerbungsrede fiel ein folgenschwerer Satz, der dem 28-jährigen Familienvater aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde noch viel Ärger einbringen sollte. Denn laut Medienberichten soll in Dorows Rede folgender Satz gefallen sein: "Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein."

Denn die Parole von der autonom geleiteten Jugend hatte nicht nur der thüringische AfD-Landespolitiker Björn Höcke gebraucht, sondern sie war einst auch schon im NS-System im Gebrauch. Die Staatsanwaltschaft Gießen prüfte bereits wenige Tage später die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher und terroristischer Organisationen. Sie warf Dorow vor, in seiner Rede eine Propagandaparole der Hitlerjugend gebraucht zu haben, die auch Adolf Hitler und Reichsjugendführer Baldur von Schirach im Munde geführt hätten.

Dorow selbst widersprach dieser Interpretation. Er verwies gegenüber dem NDR darauf, dass das Prinzip der selbst geführten Jugend bereits in der Bündischen Jugend und in der Wandervogelbewegung der Kaiserzeit und der Weimarer Republik gegolten habe. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft hätten weder inhaltlich noch rechtlich Bestand. Und auch inhaltlich sehe er keinen Anlass, sich von der Aussage zu distanzieren, so Dorow.

Der Skandal um die in Gießen gebrauchte Parole war allerdings so groß, dass die AfD-Parteiführung im Februar 2026 ein Parteiausschlussverfahren einleitete – was wiederum zur Entrüstung weiter Teile der GD führte. Rund einen Monat später kam es schließlich zum Vergleich. Dorow legte seine Ämter in Mutterpartei und Jugendorganisation nieder, dafür durfte er AfD-Mitglied bleiben.

Seinem Ansehen in GD und AfD hat der Aufruhr um seine Gießener Rede offenbar nicht geschadet. Die GD Schleswig-Holstein nominierte Dorow im Oktober 2026 einstimmig zu ihrem Kandidaten für die Aufstellungsversammlung zur AfD-Landesliste für die kommende Landtagswahl. Wenige Tage später erfolgte die Kür zum Direktkandidaten des Wahlkreises 8 Eckernförde.

Während also an der innerparteilichen Front Ruhe herrscht, ist die Angelegenheit für Dorow juristisch noch nicht beendet. Denn am Montag berichtete die Deutsche Presse-Agentur, die Staatsanwaltschaft Gießen habe nunmehr beschlossen, Anklage gegen den schleswig-holsteinischen Landespolitiker wegen des inkriminierten Satzes zu erheben.

Für Dorow gilt die Unschuldsvermutung. Es ist auch nicht gewiss, ob das zuständige Amtsgericht Gießen die Anklage zulassen und das Hauptverfahren eröffnen wird. Dementsprechend steht auch noch kein Termin für die Hauptverhandlung fest. Sollte es jedoch zu einem Prozess kommen, könnte er in eine für Dorow denkbar ungünstige Zeit fallen. Denn am 27. April 2027 sind in Schleswig-Holstein Landtagswahlen. Gerichtstermine in Hessen sind dann das Letzte, was ein Bewerber um einen Sitz im Kieler Landtag gebrauchen kann.

Sollte ein möglicher Prozess Dorows Einzug in den Landtag scheitern lassen, wären die BRD-Eliten fürs Erste von der Sorge vor dem Aufstieg eines charismatischen Jungpolitikers befreit. Denn für die Kriegstüchtigkeitsagenda der BRD unter Bundeskanzler Friedrich Merz lässt sich der Landespolitiker aus Eckernförde nicht einspannen.

In einem Artikel für das Freilich-Magazin vom Oktober 2025 plädierte Dorow zwar generell für eine Wehr- und sogar allgemeine Dienstpflicht, warnte aber vor deren derzeitigen Einführung, solange die Bundeswehr für fremde Interessen eingesetzt werde.

Mehr zum Thema – Vor Großdemo gegen AfD in Gießen – "Adenauer-Bus" bereits vor Ort, Kliniken erwarten Verletzte 

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