Deutschland

Impfkomplikationen in deutschen Medien? Sie rücken weiterhin nur schleichend in den Fokus

Impfnebenwirkungen gelten weiterhin in den Mainstream-Medien als lästiges Tabu-Thema. Nur langsam mehren sich Beiträge, die Warnende wie Betroffene endlich zu Wort kommen lassen. Selbst Long-COVID wäre als Impfnebenwirkung zu betrachten.
Impfkomplikationen in deutschen Medien? Sie rücken weiterhin nur schleichend in den FokusQuelle: Gettyimages.ru © picture alliance / Kontributor

von Bernhard Loyen

Das Thema Impfnebenwirkungen wird in Deutschland seit der Möglichkeit und dem Start von Coronaimpfungen im Dezember 2020 weiterhin als unwesentliches Randthema gewertet, dem keine herausragende oder nur zu zögerlich gebührende Aufmerksamkeit gewidmet wird. Einhellig vermeiden viele Politiker, Wissenschaftler und Medien weiterhin, die Realität im Rahmen verstärkter Wahrnehmungen und einer breiten öffentlichen, gesellschaftlichen Diskussion anzuerkennen. Im August des Jahres 2021 teilte der heutige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach seine persönliche Einschätzung zu dieser No-Go-Thematik mit:

Der Hessische Rundfunk stellte nun am 18. März die längst nicht selbstverständliche Frage: "Krank nach Corona-Impfung?" Der MDR produzierte einen beeindruckenden wie auch erschreckenden Beitrag zum Thema Impfkomplikationen. Das ARD-Magazin Plusminus übernahm Teile des MDR-Beitrags und ergänzte das mit weiteren Informationen. So bestätigt ein Mitarbeiter des Universitätsklinikums Marburg die stetig steigende Zahl von Beratungsbedarf zu Impfkomplikationen. So bekäme die zuständige Abteilung "bis zu 200 täglichen Patientenanfragen", die eine dementsprechende Anlaufstelle suchen:

"Wir haben auch täglich drei, vier, fünf größere Krankenhäuser und Arztpraxen, die uns anrufen und sagen, was sollen wir mit diesen Patienten machen. Und auch dort muss Wachsamkeit geschaffen werden."

Für die Erfassung aller Verdachtsfälle von Impfnebenwirkungen in Deutschland ist eigentlich das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hauptamtlich zuständig. Aber auf eine aktuelle Anfrage des MDR an die Pressestelle des PEI: "Gibt es Bestrebungen von ihrer Seite, die Ursachen der Nebenwirkungen zu untersuchen? Wie sehen diese konkreten Untersuchungen aus?" antwortete das Institut laut dem Beitrag dieses Senders wörtlich:

"Das Paul-Ehrlich-Institut beobachtet Meldungen dieser Art (…) und nimmt diese Meldungen sehr ernst. Bisher hat das PEI diesbezüglich kein mit einem Covid-19-Impfstoff assoziiertes Risikosignal erkennen können."

Der Titel des MDR-Beitrags vom 22. März lautet dementsprechend: "Impfkomplikationen – Warum sich Betroffene alleingelassen fühlen." Die Antwort des PEI erscheint nach Kenntnisnahme des MDR-Beitrags anmaßend – gelinde ausgedrückt. Erst jüngst wurde auch ein Alarmsignal eines Mitarbeiters einer großen deutschen Krankenkasse bekannt. So heißt es in dem dazugehörigen Artikel der Berliner Zeitung: "Zahlen zu Nebenwirkungen von COVID-Impfstoffen erfasst. Das Ergebnis sei 'ein erhebliches Alarmsignal'. Nach Angaben der BKK ProVita liegt die Zahl der Nebenwirkungen um ein Vielfaches höher als die, die durch das Paul-Ehrlich-Institut offiziell bekanntgegeben werden."

Genau vier Wochen später setzt das PEI noch immer und ohne Skrupel die fragwürdige Informationsstrategie fort. Was passierte ansonsten in der Zwischenzeit? Dem verantwortlichen Mitarbeiter der BKK ProVita, der den symbolischen "Alarmknopf" betätigte und zudem seit 21 Jahren ein Vorstandsmitglied war, wurde im Anschluss an eine Sitzung des Verwaltungsrats – sozusagen als "Nestbeschmutzer" – fristlos gekündigt. Der Vorstand bat laut Berliner Zeitung um Verständnis, "sich zu den Hintergründen dieser Personalentscheidung nicht weiter äußern zu wollen". Klappe zu, Kritiker tot.

Für eine kritische Wahrnehmung empfiehlt sich die weitere Betrachtung des MDR-Beitrags. Zu Wort kommt Dr. med. Erich Freisleben, ein seit 35 Jahren praktizierender Internist und Hausarzt. Dieser hatte schon im November des Vorjahres in einem Interview zu dem Thema Impfnebenwirkungen Stellung bezogen. Auf die Frage, ob es einer notwendigen Impfdebatte nicht eher schaden würde, wenn man die Aussage des Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie Carsten Watzl zitiert: "Die Wissenschaft sei sich einig, dass Nebenwirkungen nach einer Impfung 'nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen' seien", antwortete Freisleben unumwunden warnend:

"Die Politisierung der Wissenschaft, wie wir sie derzeit erleben, bei der sehr viel Druck ausgeübt wird und bei der immer dieselben Wissenschaftler als Zeugen aufgerufen und Andersmeinende ins Aus gestellt werden – das alles wird einen gewaltigen Flurschaden hinterlassen, weil letztendlich auf Dauer das Vertrauen der Menschen in die Wissenschaft, vor allem in Bezug auf Impfungen, massiv erschüttern wird. Mir liegt sehr daran, dass man die Wahrheit auf den Tisch legt."

Wie aber sieht die Realität knapp ein Vierteljahr später für einen praktizierenden Arzt in Deutschland aus? Freisleben gab weitere Interviews, vor allem hinsichtlich zugetragener Impfnebenwirkungen seiner Patienten, worauf er im aktuellen MDR-Beitrag ebenfalls angesprochen wurde. Er sieht die Gefahr, dass realexistierende Impfkomplikationen "viel zu selten von seinen Kollegen ernst genommen werden". Im Anschluss an ein älteres Video-Interview "wurde seine Hausarztpraxis von Patienten aus der ganzen Bundesrepublik nahezu überrannt", so heißt es im MDR-Beitrag. Neben einem vollen Praxisalltag hätte es daraufhin Tage gegeben, an denen zehn bis zwölf weitere Patienten die Praxis nur aus Gründen akuter Impfnebenwirkungen konsultiert hätten. Allein Freisleben hätte dem PEI 86 derartiger Fälle eindeutig diagnostizierter Impfnebenwirkungen gemeldet, was die zuvor diese Patienten behandelnden Kollegen anscheinend unterlassen hatten.

Erhielt Freisleben überhaupt eine Antwort, eine Reaktion vom PEI auf seine Meldungen? – Nein. Die fragwürdigen Gründe dafür könnten laut Freisleben so lauten:

"Wir sind verpflichtet dazu. Ich habe den Eindruck, dass das Impfthema dermaßen emotional aufgeladen ist, dass man sich nicht traut, irgendetwas zu sagen, was vielleicht als Schwäche oder Problem in diesem Zusammenhang im Raum steht, um nicht in eine bestimmte Kategorie eingeordnet zu werden. Das darf nicht sein."

Das PEI informierte Anfang Februar auf seiner Website in einer über eine den aktuellen Stand resümierende Publikation: "Sicherheitsbericht – Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19 seit Beginn der Impfkampagne am 27.12.2020 bis zum 31.12.2021" unter Punkt 5: "Sehr seltene Risiken der COVID-19-Impfstoffe – 5.1. Anaphylaktische Reaktionen", dass dem Institut bis zum 31.12.2021 lediglich "489 Meldungen einer anaphylaktischen Reaktion" übermittelt worden seien:

"Anaphylaktische Reaktionen sind plötzlich auftretende, umfassende, potenziell schwere und lebensbedrohliche allergische Reaktionen. Sie beginnen oft mit einem Gefühl des Unbehagens, gefolgt von Kribbeln und Schwindel. Anschließend entwickeln Betroffene rasch schwere Symptome."

Dr. Freisleben allein meldete 86 bekannte Fälle von Impfnebenwirkungen an das PEI. Wie viele davon anaphylaktische Reaktionen waren, ist nicht bekannt, aber kann die Statistik des PEI für einen Zeitraum von 12 Monaten dann so stimmen?

Der MDR-Beitrag schildert den Fall einer verzweifelten jungen Frau, die im Anschluss an ihre erste Impfung im Oktober 2021 unter unmittelbaren Körperreaktionen litt und bis zum heutigen Tage zu leiden hat: Hautausschlag mit Beulenbildung, Muskelzuckungen, fortdauerndes Taubheitsgefühl bis hin zur diagnostizierten "Impfreaktion mit Krallenhand". Dazu kamen noch wochenlange Extremsituationen aufgrund massiver Herzrhythmusstörungen mit lediglich 30 Herzschlägen im Wechsel mit akutem Herzrasen mit bis zu 170 Schlägen pro Minute. Das PEI sandte nach Meldung der geschilderten Nebenwirkungen demnach ein fatales Antwortsignal: Wir können nicht helfen. Das große Problem solch leidender Menschen: Es fühlt sich niemand zuständig, die Beschwerden werden fehl- oder umgedeutet, nicht in Verbindung gebracht mit den zuvor nachweislich erfolgten Impfungen. Das bedeutet Hilflosigkeit im Rahmen eines stetig wachsenden Tabu-Themas dieser Gesellschaft, nämlich den Impfkomplikationen.

In einem weiteren dargestellten Fall traten die Probleme erst nach der dritten Impfung auf. Der Zustandsverlauf der Betroffenen nach vollzogener Booster-Impfung: Von einer aktiv trainierenden Marathon-Läuferin zu einer geschwächten Patientin mit Rollstuhlbedarf. Ein dritter Fall schildert das Martyrium eines kerngesunden, sportlichen jungen Mannes, der als Folgeereignis nach der Impfung zuerst einen Schlaganfall erlitt, um kurze Zeit später zu versterben.

Sehr häufig ähneln die geschilderten Probleme der Betroffenen denen des sogenannten Long-COVID-Phänomens. Im März 2022 heißt es auf der Seite "Langzeitfolgen von COVID-19 – Schützt eine Corona-Impfung vor Long-COVID?" des regierungsberatenden Helmholtz-Instituts:

"Viel weiß man noch nicht darüber, warum manche Menschen auch nach einer überstandenen Corona-Infektion am sogenannten Long-COVID oder auch Post-COVID-Syndrom (…) leiden. In Verdacht stehen Entzündungs- oder Autoimmunreaktionen, die langwierige Erkrankung zu verursachen."

Als Long-COVID werden gesundheitliche Beschwerden bezeichnet, die länger als 4 Wochen bestehen, als Post-COVID diejenigen, die auch noch länger als 12 Wochen nach Beginn einer SARS-CoV-2-Infektion vorhanden sind. Das Krankheitsbild ähnelt sehr dem des Chronischen Erschöpfungssyndroms, das auch Chronic Fatigue Syndrome oder auch Myalgische Enzephalomyelitis genannt wird (abgekürzt CFS oder ME). Wesentlich größere gesellschaftliche Aufmerksamkeit und zudem eine schon länger andauernde breite mediale Berichterstattung erhält also Long-COVID als Ereignis nach einer Coronainfektion im Vergleich zu dem eher unbekannten Phänomen einer Long-COVID-Symptomatik nach vollzogenen Impfungen anstelle einer akuten Virusinfektion.

In dem MDR-Beitrag wird ein Berliner Forschungslabor vorgestellt, in dem Blutproben für Klienten mit Impfkomplikationen aus dem gesamten Bundesgebiet untersucht wurden, unter anderem auch von Betroffenen nach einer Impfung mit dann aufgetretenen Long-COVID-Symptomen. 300 Analysen ergaben den Nachweis eindeutig erhöhter Werte sogenannter Autoantikörper in den Blutproben. Autoantikörper (AAk) sind Antikörper (Immunglobuline), die vom menschlichen Immunsystem gebildet werden und sich gegen körpereigenes (auto = selbst), allerdings gesundes Gewebe richten. Infolgedessen kann sich eine Vielzahl verschiedener Autoimmunerkrankungen entwickeln. Zu den sehr unspezifischen Symptomen von Autoimmunerkrankungen können etwa sogar Bauchschmerzen, Mundtrockenheit, Fieber, Durchfall, Muskelschmerzen oder Nierenschmerzen gezählt werden.

Die Leiterin des Labors informierte laut dem Interview mit dem MDR daraufhin sowohl das PEI, die STIKO als auch das Bundesgesundheitsministerium von Karl Lauterbach, um ihre alarmierenden Erkenntnisse mitzuteilen und breiter zu diskutieren. Keine der drei genannten Einrichtungen sah sich bisher genötigt zu antworten. Die Labor-Leiterin resümiert im Beitrag:

"Wobei wir hier doch keine Impfgegner sind, sondern im Normalfall die Impfungen befürworten, und diese Patienten haben sich doch impfen lassen. Die haben doch alles gemacht, haben das Gesundheitswesen schützen wollen, sie haben sich selbst schützen wollen und ihre Angehörigen. Und sie kriegen von Niemanden eine Antwort. Und das ist mir in meinem langen Arbeitsleben noch nie passiert."

Drei diesbezügliche Anfragen des Autors an Karl Lauterbach, an das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und an das RKI zum Thema Long-COVID nach Impfungen ergaben wenig inhaltliche Aufklärung. Die Fragen bezogen sich auf die Bitte mitzuteilen, ob aktuelle Fallzahlen davon Betroffener existieren, die einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Beginn einer Long-COVID-Symptomatik/-Erkrankung als Folgephänomen nach abgeschlossener Coronaimpfung darstellen. Des Weiteren wurde angefragt, ob bereits veröffentlichte Studien zu dieser Thematik vorliegen oder bekannt wären. Die Abschlussfrage lautete, ob das Phänomen Long-COVID nach einer Impfung zukünftig die gleiche Aufmerksamkeit wie die Forschung und Berichterstattung zu Long-COVID nach einer Coronainfektion erfahren wird. Die Bundesregierung hatte im September 2021, also gut neun Monate nach Start der Impfkampagne in Deutschland darüber informiert, dass der Bund 6,5 Millionen Euro zur Erforschung von Long-COVID zur Verfügung stellen würde. Dazu heißt es auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung:

"Deshalb brauche man fundierte Erkenntnisse, wie den Menschen bestmöglich geholfen werden kann. Genau dies sei das Ziel der zehn Forschungsvorhaben, die nun an den Start gehen und die das Thema Long-COVID aus verschiedenen Blickwinkeln untersuchen."

Das Pressebüro des Gesundheitsministers verwies an das BMG, das BMG antwortete, dass "Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gegen COVID-19 kontinuierlich" über das Paul-Ehrlich-Institut erfasst und bewertet würden. Es existiere "für betroffene Personen und deren Angehörige ein Online-Portal (www.nebenwirkungen.bund.de)", über welches das PEI etwa 90 Prozent aller Verdachtsmeldungen zu den Coronaimpfstoffen erhalte. Darunter seien auch Meldungen von Fachkreisen und Ärzten." Und weiter heißt es:

"Zahlreiche Zuschriften, Berichte, Analysen und Stellungnahmen zur Sicherheit und Wirksamkeit von COVID-19-Impfstoffen von Bürgerinnen und Bürgern erreichen das Paul-Ehrlich-Institut mit unterschiedlichem fachlichem Hintergrund. Diese werden gesichtet und daraufhin geprüft, inwieweit sie für die fachliche Arbeit des Paul-Ehrlich-Instituts relevant sein könnten."

Abschließend heißt es in der Antwort des BMG:

"Eine sehr große Zahl der eingereichten Analysen und Stellungnahmen beruht jedoch vielfach auf Fehleinschätzungen und falschen Grundannahmen, die aus der Unkenntnis der Verfahren und Abläufe im Zusammenhang mit der Prüfung und Bewertung von Impfstoffen und der Überwachung ihrer Sicherheit herrühren. Daher versucht das Paul-Ehrlich-Institut, über das Informationsangebot auf seiner Website den allgemeinen Wissenstand zu verbessern, indem offene Fragen, die viele Bürgerinnen und Bürger beschäftigen, wiederkehrende Fehlannahmen oder falsche Schlussfolgerungen aus solchen Eingaben beispielsweise in FAQ oder in Sicherheitsberichten aufgegriffen und adressiert werden."

Das Robert Koch-Institut antwortete:

"Unerwartete Wirkungen von Impfungen werden vom Paul-Ehrlich-Institut erfasst und ausgewertet. Das Robert Koch-Institut untersucht das Long-COVID nach Impfung auf mehreren Wegen: (1) eine App-basierte Datenerhebung ist in Vorbereitung, (2) ebenso planen wir eine Befragung von Hausärztinnen und Hausärzten, Kinderärztinnen und Kinderärzten in der ambulanten Versorgung u. a. mit einer Frage zur Häufigkeit entsprechender Beratungsanlässe in ihrer Praxis, und (3) über fortlaufende Literaturrecherchen."

Welche Literatur dabei das RKI für seine Recherchen aktuell verwendet, wurde trotz der Bitte um Angaben im Rahmen der Fragestellung nicht beantwortet. Die mangelnde Kommunikation seitens des PEI ist bekannt. Ein weiterer Artikel, der in den zurückliegenden Tagen höhere Aufmerksamkeit erhielt, trägt die Überschrift: "Long-COVID nach Impfung? Dramatischer Erfahrungsbericht einer 28-Jährigen". So heißt es in dem Text: "Verdachtsdiagnose: 'Impfschaden' / Alltag weg, Job weg – junge Frau wird komplett aus dem Leben gerissen." Das Besondere an diesem Fallbeispiel sieht so aus:

"Die Erkrankung der 28-Jährigen steht in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Coronaimpfung. Es sind typische, schwere Long-COVID-Symptome, eine vorangegangene COVID-19-Infektion konnte allerdings nach Retzlaffs Worten (die betroffene junge Frau) nicht nachgewiesen werden."

Der Artikel schildert sehr ausführlich den Leidensweg der Betroffenen, die diesen Verlauf über Instagram seit August 2021 für die Öffentlichkeit dokumentiert. Vier Tage später kam es zu einem Folgeartikel in der Neuen Rottweiler Zeitung (NRWZ) mit der Information, dass sowohl das Unternehmen BioNTech wie auch das PEI der Redaktion geantwortet hätten. In dem Artikel wird auf das Forum: "Nebenwirkungen der COVID-Impfungen" verwiesen, wo auch der Fall aus dem NRWZ-Artikel diskutiert wurde. Die Redaktion erhielt auf eine themenbezogene Anfrage an das Unternehmen BioNTech folgende Antwort:

"Zu Einzelfällen können wir keine Stellung nehmen. Wir bitten, dass die junge Frau ihre möglichen Nebenwirkungen bei uns, ihrem Arzt oder einer Behörde (zum Beispiel dem Paul-Ehrlich-Institut) meldet, sodass ihr Fall entsprechend untersucht werden kann."

Wie die Betroffene auf Nachfrage der NRWZ schildert, hat sie ihren Fall durchaus – wie von BioNTech empfohlen – dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet:

"Und dann nichts mehr gehört. Ihr Fall tauche nicht im Sicherheitsbericht auf, schon da liege ein Problem. 'So geht es vielen', schildert Retzlaff."

Das Paul-Ehrlich-Institut reagiert auf eine Nachfrage der NRWZ ebenfalls. Eine Sprecherin teilte routiniert im Copy&Paste-Verfahren mit,  "die Berichte über seine Bewertungen der eingegangenen Verdachtsfallmeldungen würden in die periodisch erscheinenden Sicherheitsberichte über die zugelassenen COVID-19-Impfstoffe einfließen", so nachzulesen im NRWZ-Artikel. Ein anderes mediales Beispiel wirft zumindest Fragen auf: der Fall der Wintersportlerin Dajana Eitberger. Im Oktober 2021 hieß es in einer Meldung: "Alle Schlittensportler für Olympia geimpft." Am 15. Dezember meldete die Sportschau: "Wintersport – Rennrodeln: Loch und Eitberger positiv auf Corona getestet." Im März 2022 dann ein Artikel mit der Überschrift: "Long-COVID: Eitberger kämpft noch mit Spätfolgen. Die in Augsburg lebende Rennrodlerin Dajana Eitberger leidet auch Monate nach ihrer Corona-Infektion unter den Spätfolgen." An die Sportverbände appelliert Eitberger laut dem Artikel daran, die von solchen langwierigen COVID-Folgen betroffenen Athletinnen und Athleten "sich nicht selbst zu überlassen". Es brauche "Angebote, Fürsorge und mehr Verständnis". Eine nicht unberechtigte Frage könnte auch hier lauten: Long-COVID nach einer Infektion oder nach einer Impfung?

Anträge auf Entschädigungen oder Hilfe vom Verordnungsamt, sollten sich die Schäden bis zu einer Pflegeunterstützung forcieren, werden mehrheitlich – laut Erfahrungen eines in dem MDR-Beitrag zu Wort kommenden Anwalts – von den zuständigen Behörden abgelehnt. Die eingeforderten Angaben zum Ereignis und der Papierkrieg seien "immens", die Bearbeitungszeiten sehr lang. Impfschäden werden – wenn überhaupt – in der Bundesrepublik erst nach sechs Monaten anerkannt, so der MDR-Beitrag.

Alles nur Einbildung?

Im Januar 2022 heißt es auf der Seite der Universität Marburg entwarnend: "Coronavirus: Impfstoff hat weniger Nebenwirkungen als gedacht." Dafür liefert der Beitrag neueste Erkenntnisse "einer internationalen Forschergruppe":

"Schmerzen, Fieber, Mattigkeit: Treten unerwünschte Nebenwirkungen nach einer Impfung gegen das Coronavirus auf, so liegt das nicht unbedingt am Impfstoff, sondern an einem umgekehrten Placeboeffekt.… Die eingebildeten Effekte machten demzufolge nach der ersten Dosis fast drei Viertel der unerwünschten Nebenwirkungen aus, nach der zweiten Dosis waren es immer noch ein bisschen mehr als die Hälfte. Meist berichten die Betroffenen über Kopfschmerz und Müdigkeit. Die Fachleute sprechen von einem Nocebo-Effekt. 'Das Ergebnis unserer Analyse sollte bei öffentlichen Impfprogrammen berücksichtigt werden', empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler."

Zu den Begrifflichkeiten: Als Placeboeffekt bezeichnet man in der Medizin das Auftreten einer therapeutischen Wirkung durch die Verabreichung von Medikamenten ohne tatsächlichen Wirkstoff. Im Gegensatz zur positiven Wirkung beim Placebo-Effekt sorgt beim Nocebo-Effekt allein die Erwartung negativer Folgen dafür, dass solche tatsächlich empfunden werden. Der Noceboeffekt bezeichnet auch eine negative Reaktion auf die Gesundheit oder das Wohlbefinden nachhaltig beeinträchtigende Wirkung einer umweltverändernden Maßnahme.

Der Spiegel titelte am 4. Februar 2022 (Bezahlschranke) "Long-COVID Patienten nach der Impfung. Wenn die Qual von vorn beginnt". In dem Artikel heißt es:

"Brock ist Internistin, ihr war klar, dass die Impfung bei ihr etwas ausgelöst haben musste, das mit einer normalen Impfreaktion nichts zu tun hat. 'In mir tobte ein Immuninferno', sagt sie. 'Und es musste etwas mit Long-COVID zu tun haben, denn es waren die gleichen Symptome.' Ausgerechnet die Impfung hatte bei Brock offenbar einen Rückfall bewirkt."

Sie ist laut demArtikel nicht die einzige Long-COVID-Patientin, die von einer solch heftigen Immunreaktion nach der Coronaimpfung berichtet. Beim Spiegel meldeten sich demnach weitere Betroffene mit ähnlichen Erfahrungen: "Sie haben Angst davor, dass die Impfung ihr teils monatelanges Leiden verlängern, ihren mühevollen Weg zurück ins Leben zunichtemachen könnte."

Es bleibt eine verfahrene Situation. Betroffene von Impfkomplikationen werden mehrheitlich nicht gehört oder nicht ernstgenommen, sie werden mit ihrem Leid alleingelassen. Sie wagen es oft nicht einmal, sich aufgrund einer gesellschaftlich gereizten Stimmung zu diesem Thema als Opfer zu outen. Die Medien entdecken erst sehr langsam die sich immer deutlicher abzeichnende Dramatik und auch Dynamik von nachweislichen Entwicklungen in diesem Land. Verantwortliche Wissenschaftler, Politiker und erst recht die Pharmaindustrie schweigen, verdrängen, leugnen oder haben schlicht Angst, unangenehme Realitäten zuzugeben und dementsprechend aufzuklären. Der bekannte Virologe der Berliner Charité Christian Drosten, der Regierungsberater ist, äußerte seine Einschätzung, die zumindest für jedes leidende Impfopfer und für jeden Angehörigen eines nach einer Impfung Verstorbenen einen sinnbildlichen Schlag ins Gesicht darstellt und die Arroganz gegenüber tausendfachem Leid in Deutschland unverblümt offenbart. Drosten wird in einem aktuellen Interview für Die Zeit zum bisherigen Verlauf der Coronakrise in Deutschland so zitiert:

"Andererseits hatten wir frühzeitig Impfstoffe und haben nun auch wirksame Medikamente. Letztendlich war die Wissenschaft doch recht erfolgreich in ihrer Reaktion auf die Pandemie. Das große Versagen hat eher auf medialer, gesellschaftlicher und politischer Ebene stattgefunden."

Das "Versagen" verortet der Virologe nämlich ausdrücklich "in der Desinformation. Vor allem in den sozialen Medien". Dabei sei doch "die wichtigste und einfachste Botschaft in einer Pandemie, dass man den Interessen des Einzelnen am besten über den großen solidarischen Zusammenhalt Rechnung trägt".

Im Krieg werden irrtümliche Opfer von Auseinandersetzungen und Ereignissen auch oft verharmlosend ein Kollateralschaden genannt, also jener "bei einer militärischen Aktion entstehender [schwererer] Schaden, der nicht beabsichtigt ist und nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ziel der Aktion steht, aber dennoch in Kauf genommen wird". Angela Merkel sprach im März 2020 angesichts der COVID-19-Pandemie von "der größten Krise, die dieses Land seit Ende des Zweiten Weltkriegs" erleben würde. Emmanuel Macron formulierte in Bezug auf die weltweite COVID-19-Pandemie den Satz:

"Wir sind im Krieg."

Die Leitragenden von Impfkomplikationen und die von Angehörigen in Verbindung mit einer Coronaimpfung zu betrauernden Verstorbenen sind daher also zu erwartende, bedauerliche Kollateralschäden im Kampf gegen das Coronavirus? Das Thema Impfkomplikationen darf nicht mehr länger ein gesellschaftliches Tabu-Thema bleiben.

Mehr zum Thema - Heidelberger Pathologe fordert mehr Obduktionen bei Todesfällen nach Corona-Impfungen

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