
Kiew: Weitere Nazi-Größe mit staatlichen Ehren beigesetzt

In der Ukraine wurde am Dienstag mit dem Anführer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) in der Zwischenkriegszeit Jewgeni Konowalez eine weitere Nazi-Größe mit staatlichen und militärischen Ehren aus den Niederlanden umgebettet.
An der Zeremonie nahm der faktische Machthaber Wladimir Selenskij teil. Er warf die erste Handvoll Erde auf den Sarg des Nationalisten. Von ihm nahmen zudem ehemalige Mitglieder des berüchtigten Asow-Regiments sowie Kirill Budanow teil, in seiner früheren Funktion als Leiter des militärischen Geheimdienstes GUR der Ukraine für zahlreiche Terroranschläge und Morde verantwortlich, heute Leiter des Büros von Selenskij. Auch der aktuelle ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk war anwesend.
Die sterblichen Überreste von Konowalez waren zuvor in Rotterdam exhumiert worden.
Die ukrainische Flagge, mit der zuvor der Sarg des Hitler-Anhängers bedeckt war, wurde dem Chef des Kiewer Regimes übergeben, wie lokale Medien berichten.

Im russischen Außenministerium wurde betont, dass Konowalez die gleiche Verantwortung für die Verbrechen der OUN trage wie Stepan Bandera und Andrei Melnyk. In der Ukraine wurde eines der Bataillone der ukrainischen Streitkräfte nach ihm benannt.
Anders als der zuvor aus Luxemburg nach Kiew umgebettete und dort ebenfalls mit Staatsehren beigesetzte Melnyk hatte Konowalez keine Chance erhalten, mit Adolf Hitler und dessen Regime im Zweiten Weltkrieg zusammenzuarbeiten: Er wurde etwas über ein Jahr vor dem deutschen Überfall auf Polen, am 23. Mai 1938, durch den sowjetischen Agenten Pawel Sudoplatow in Rotterdam mittels eines in einer Schachtel mit Konfekt versteckten Sprengsatzes liquidiert. Historiker haben jedoch wenig Zweifel, dass auch er – wie Bandera und Melnyk – anderenfalls den Weg der Kollaboration mit den deutschen Nazis gegangen wäre: In seiner Ideologie und seinem Hass auf Polen, Russen und Juden unterschied er sich nicht von diesen beiden "Helden der Ukraine". Auch hatte er aus seinen Sympathien für Hitler und die NSDAP nach 1933 nie einen Hehl gemacht.
Der 1891 im damals österreich-ungarischen Galizien geborene Konowalez lernte den erwähnten Melnyk 1915 in russischer Kriegsgefangenschaft kennen. Zusammen mit diesem und anderen ukrainischen Nationalisten gelang ihm im November 1917 die Flucht aus dem Gefangenenlager nach Kiew, wo er an der blutigen Niederschlagung des Aufstands der Arsenal-Arbeiter beteiligt war. Nach dem Sieg der Bolschewiki im Russischen Bürgerkrieg floh Konowalez nach Westeuropa ins Exil. 1929 war er an der Gründung der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) beteiligt. Vor allem in Polen führte die OUN Terrorkampagnen durch, für die Konowalez die ideologische Begründung lieferte.
Das Selenskij-Regime hat die Errichtung eines "Nationalen Heldenpantheons" angekündigt, in dem nationalistische Politiker und Militärs bestattet werden sollen. Bei den Umbettungen von Melnyk und Konowalez handelt es sich um erste Schritte bei der praktischen Umsetzung dieses Vorhabens.
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