
Präsidentschaftswahl in Brasilien: USA und Australien schließen vorübergehend Botschaften

Am kommenden Sonntag, dem 4. Oktober 2026, findet in Brasilien die Präsidentschaftswahl statt. Als die aussichtsreichsten Kandidaten gelten der Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei (PT) und sein Herausforderer Flávio Nantes Bolsonaro von der Liberalen Partei. Letzterer ist der Sohn des wegen eines Putschversuches verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der sich derzeit in Hausarrest befindet. Die Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus, das in eine Stichwahl am 25. Oktober münden könnte.

Offenbar gehen auswärtige Beobachter der politischen Landschaft Brasiliens davon aus, dass es im Umfeld der Wahlen zu Unruhen kommen könnte. Darauf lassen zumindest Vorsichtsmaßnahmen der US-amerikanischen und australischen Vertretungen in Brasilien schließen, die bei der vorhergehenden Wahl im Jahr 2022 nicht getroffen worden waren.
Am Donnerstag teilte die US-Botschaft in Brasilien mit, dass aus Sicherheitsgründen die konsularischen Dienstleistungen der US-Botschaft und der US-Konsulate ab Freitag eingestellt würden. US-Bürger sollten die diplomatischen Einrichtungen der Vereinigten Staaten nicht mehr aufsuchen. Zu welchem Zeitpunkt die Botschaft und die Konsulate wieder öffnen, wurde nicht mitgeteilt.
Kurz darauf zog Australien nach. Unter Verweis auf die US-amerikanische Sicherheitswarnung erklärte auch die australische Botschaft in der Hauptstadt Brasília ihre Schließung aus Sicherheitsgründen am 2. Oktober 2026. Man rate zudem davon ab, US-amerikanische diplomatische Einrichtungen in Brasilien aufzusuchen.
Die Mitteilung enthielt keine Informationen darüber, ob die Schließung für eine nicht näher bestimmte Frist auch das australische Generalkonsulat in São Paulo und das Ehrenkonsulat in Rio de Janeiro betrifft.
Eine entsprechende Ankündigung zur vorläufigen Schließung gibt es von der deutschen Botschaft in Brasília nicht. Allerdings hat auch das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für Brasilien aktualisiert und weist in Bezug auf die baldigen Präsidentschafts- sowie gleichzeitig stattfindenden Parlaments- und Regionalwahlen auf mögliche Spontandemonstrationen und gewalttätige Ausschreitungen hin. Diese solle man nach Möglichkeit meiden.
Hintergrund der Schließungen könnten Sicherheitsbedenken sein. Das brasilianische Online-Portal g1 berichtet, dass eine nicht näher spezifizierte Quelle in der US-Regierung gegenüber dem Journalisten Ricardo Abreu von TV Globo als Begründung eine Bombendrohung erwähnt habe. Es sei aber unklar, ob sich die Bombendrohung direkt gegen die US-Botschaft in Brasília gerichtet habe.
Das Nachrichtenportal schreibt auch von Hausdurchsuchungen in São Paulo und in der Umgebung der Hauptstadt Brasília, die sich auf die Unterbindung von Planungen bezogen, die "US-amerikanische diplomatische Einrichtungen in Brasilien gefährden könnten". Konkrete Hinweise, die die Verdachtsmomente bekräftigten, seien jedoch nicht gefunden worden.
Die beiden Personen, bei denen die Durchsuchungen stattfanden, sollen verdächtige Äußerungen in den sozialen Medien getätigt haben. Die Polizei beschlagnahmte daraufhin ihre elektronischen Kommunikationsgeräte. Die Durchsuchungsaktion soll aufgrund der Zusammenarbeit mit ausländischen Nachrichtendiensten erfolgt sein.
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