Die ungarische OTP Bank prüft derzeit Optionen für einen Rückzug aus Russland. Dies bestätigte der Unternehmenschef der Nachrichtenagentur Bloomberg. Einer der Gründe für den Rückzug ist, dass die OTP eine in den baltischen Staaten tätige Bank erwerben möchte. Im Juli dieses Jahres gab die ungarische OTP ihre Pläne bekannt, Luminor zu übernehmen, die drittgrößte Bank in den baltischen Staaten. Damals wies die litauische Zentralbank jedoch darauf hin, dass die ungarische Bank weiterhin in Russland tätig ist, was nach Ansicht der litauischen Aufsichtsbehörde "Fragen aufwirft". Und der estnische Finanzminister erklärte sogar, dass Unternehmen, die in Russland tätig sind, in Estland "auf keinen Fall" willkommen seien.
Auch der Machtwechsel in Ungarn übt Druck aus: Budapest überdenkt nach dem Rücktritt von Viktor Orbán als Ministerpräsident insgesamt seine Beziehungen zu Russland. Der Vorstandsvorsitzende der OTP Group Péter Csányi erklärte im Gespräch mit Bloomberg:
"Angesichts des strategischen Interesses an den baltischen Staaten und der geringen Fortschritte bei der Erzielung zusätzlicher Erträge in Russland im letzten Jahr hat die OTP begonnen, ihre Strategie in Bezug auf das Russland-Geschäft zu überdenken, einschließlich eines möglichen vollständigen Rückzugs aus dem russischen Markt."
Er wies auch darauf hin, dass die Überprüfung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein werde und zu einer Entscheidung führen werde, die den langfristigen Wert für die Aktionäre unter Berücksichtigung der internationalen Expansionsstrategie der Gruppe steigere. Vertreter der OTP erklären außerdem, dass die Bank den Umfang ihrer Geschäftstätigkeit in Russland bereits reduziert habe.
In Ungarn gilt die OTP Bank gemessen an der Bilanzsumme als die größte Bank, in Russland beträgt ihr Marktanteil jedoch nur 0,4 Prozent. Dennoch, so schreibt Bloomberg, hat die Bank hier Geld verdient und tut dies auch weiterhin; bis heute wurden insgesamt 880 Millionen US-Dollar in Form von Dividenden aus Russland abgezogen. Dabei ist die OTP Bank bislang eine der wenigen Banken, die Überweisungen aus Russland ins Ausland ermöglichte und weiterhin ermöglicht. Wladimir Schewtschenko, Chefredakteur von FinNews.ru, kommentiert im Gespräch mit dem Portal BFM.ru:
"Sie war zwar nicht von großer Bedeutung, aber dennoch ist die OTP eine Tochtergesellschaft einer ungarischen Bank. Ungarn ist Mitglied der Europäischen Union, sodass Russland über die OTP Bank durchaus Transaktionen durchführen konnte, die nach den Vorschriften der Europäischen Union offiziell verboten gewesen wären. Das wird natürlich negative Folgen haben, denn je weniger Banken Zahlungen ins Ausland abwickeln können, desto schwieriger wird es, diese Zahlungen durchzuführen, und desto leichter fällt es den Ländern, die Sanktionen verhängt haben, diese Zahlungen nachzuverfolgen und dagegen vorzugehen."
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