Treibstoffkrise: Kraftstoffmangel macht Logistik in Russland teurer

Die Logistikkosten in Russland steigen stark an. Grund dafür ist die Kraftstoffkrise, die durch ukrainische Angriffe auf Raffinerien ausgelöst wurde. Fachleute rechnen in den kommenden Monaten nicht mit einer Besserung.

Die durch Angriffe auf russische Raffinerien ausgelöste Kraftstoffkrise, die nicht schnell genug eingedämmt werden konnte, wirkt sich allmählich auf die Preisbildung in verschiedenen Bereichen aus. So sind beispielsweise die Logistikkosten in Russland aufgrund der anhaltenden Kraftstoffengpässe um 20 Prozent gestiegen, berichten Fachmedien. Die Frachtbörse, an der sich die Marktteilnehmer gewöhnlich orientieren, verzeichnete einen allgemeinen Anstieg der Preise um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr und allein seit Ende Mai um 17,5 Prozent. Die Zeitung Wedomosti erklärt:

"Der Index der Frachtbörse ATI.SU – ATI.SU FTL, der die Preisdaten für die 100 beliebtesten Routen in Russland widerspiegelt, erreichte am 13. Juli ein neues Allzeithoch und lag bei 2.086 Punkten. Diese Daten gehen aus einer Mitteilung der Börse hervor. Damit liegt der Wert um 29 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Der Anstieg seit Ende Mai betrug 17,5 Prozent.

Wie in der Meldung von ATI.SU festgestellt wird, wurden auf allen 100 Strecken Preissteigerungen verzeichnet. Auf einzelnen Strecken (Weliki Nowgorod – Sankt Petersburg, Irkutsk – Nowosibirsk, Jekaterinburg – Kasan) sind die Preise im Laufe des Jahres um mehr als das 1,5-Fache gestiegen."

Kirill Latinski, ein unabhängiger Logistikexperte, betont jedoch, dass die regionalen Unterschiede ziemlich groß seien. Bei internationalen Transporten, beispielsweise von China nach Russland, betrage der Preisanstieg oft bis zu 25 Prozent.

"Wenn wir über Transporte innerhalb Russlands sprechen, muss man genau wissen, um welche Regionen es geht. Beispielsweise fällt die Preisanpassung im Süden Russlands höher aus, da die Lage bei den Kraftstoffen dort angespannter ist als in anderen Regionen, etwa im Zentralen Föderationskreis", betont er im Gespräch mit dem Portal BFM.ru. "Auf jeden Fall greift immer das Prinzip von Angebot und Nachfrage."

Einige Händler haben die aufgrund der Logistikkosten gestiegenen Ausgaben bereits in ihre Warenpreise eingerechnet – sie wälzen diese Kosten also auf die Endverbraucher ab. Allerdings tun dies bei Weitem nicht alle – und manche können es sich gar nicht leisten, da die Nachfrage ohnehin nicht besonders hoch ist. So gaben fast alle vom Portal BFM.ru befragten Unternehmensvertreter an, die gestiegenen Transportkosten nicht an die Endverbraucher ihrer Produkte weiterzugeben. Eher ist das Gegenteil der Fall: Unternehmen, die nicht lebensnotwendige Güter herstellen, geben an, dass sie die Preise schlichtweg nicht erhöhen können, da die Nachfrage ohnehin bereits auf einem Tiefstand sei.

Wie Vertreter der Wirtschaft jedoch feststellen, sind die schwierige Logistiksituation und die explodierenden Transportkosten keineswegs ein spezifisch russisches Problem. Während in Russland die Transportkosten aufgrund der ukrainischen Drohnenangriffe auf Ölraffinerien steigen, liegen die Ursachen im Ausland unter anderem in der Krise im Nahen Osten. So sagt beispielsweise Anton Mednikow, Gründer der Raumduftmarke "Bago Home":

"Es gibt enorme logistische Probleme, nicht nur auf dem Binnenmarkt, sondern auch im internationalen Transportwesen. Alles dauert viel länger, ist mühsamer und teurer. Leider lässt sich das nicht mehr auf die Preise unserer Waren abwälzen, da wir die Preise nicht weiter erhöhen können. In praktisch allen Vertriebskanälen ist ein Rückgang zu verzeichnen, und all dies geht zulasten der Gewinnmargen. Ich denke, dass genau diese Situation bei allen mehr oder weniger nicht lebensnotwendigen Waren herrscht. Die Marktteilnehmer können die Preise nicht mehr weiter anheben."

Eine Verbesserung der Preisentwicklung ist nicht zu erwarten, warnen Experten. Auch wenn sich die Lage bei den Kraftstoffen in einigen Regionen allmählich verbessert, werde die Kraftstoffkrise den Markt noch bis zum Ende des Sommers stark beeinflussen. Und im Herbst sei mit einer erhöhten Nachfrage nach Transportleistungen zu rechnen, geben sie zu bedenken – denn dann beginnt die traditionelle "Hochsaison" der Branche. Georgi Wlastopulo, Geschäftsführer des Unternehmens "Optimale Logistik", prognostiziert:

"Das ist ein offensichtliches Problem, Leute: Wir haben Schwierigkeiten mit der Kraftstoffversorgung, wir können nirgendwo tanken. Die Transportwege werden länger, und dazu kommen noch die Kraftstoffkosten, die Schwierigkeiten beim Tanken, die Umleitung der Routen […] Ich glaube nicht, dass die Kosten stark sinken oder sich irgendwie anpassen werden. Hinzu kommt noch der Transport chinesischer Waren, denn all das muss noch vor Neujahr über die Bühne gehen. Genau diese Spitzenzeit fällt auf die Monate August, September und Oktober. Das heißt: Wenn es bis dahin keine Fortschritte gibt und wir keine wirklichen Verbesserungen der Lage auf dem Kraftstoffmarkt sehen, wird sich die Situation meiner Einschätzung nach nur weiter verschärfen."

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