Von Igor Malzew
Deutschland plant, Russland eines Angriffs auf Leipzig zu beschuldigen, wie das Magazin Politico schreibt. Die Rede ist vom Flughafen Leipzig/Halle. Dort war eine Drohne in den Flügel eines stehenden ukrainischen Antonow-Flugzeugs eingeschlagen. Die Drohne explodierte jedoch nicht, sondern zerbrach in mehrere Teile – und zutage kamen tschechischer Plastiksprengstoff und ein defekter Zünder plus Avionik. Ein ganz zufällig da gewesener Busfahrer hat die gefundenen Wrackteile heldenhaft mit Füßen getreten. Und abermals ist nichts explodiert.
Genau so sieht faktisch der "schreckliche hybride Krieg" aus, den der Kreml nach Meinung einiger durchgeknallter deutscher Politiker und Medien "auf dem Gebiet der EU gegen Deutschland, die Demokratie, die Unabhängigkeit und die Ukraine" entfesselt haben soll. Zudem haben Polizisten im Umkreis von fünf Kilometern vom Flughafen etwas gefunden, was einer Antenne zur Verstärkung einer Mobilfunkverbindung ähnelt. Doch keine Spur vom russischen Bären.
Nur ein einziger Politiker vermeidet im Kontext der Ermittlungen das Wort "Russland" und spricht von einer "fremden Macht": Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Alle anderen, von den Falken im Bundestag bis zu Bundeskanzler Merz, behaupten, dass die Drohnen "russisch" seien. Andere Worte haben sie für ihre Wähler nicht. Und schon kommt die Antwort auf die Frage, wieso die defekte Drohne unbedingt russisch sein soll. Nach Angaben deutscher Medien plane Merz, den Vorfall auszunutzen, um "massive Sanktionen" anzukündigen.
Ein mit der Situation vertrauter Beamter hat behauptet, dass es als Reaktion auf den Drohnenvorfall in Leipzig nicht mehr ausreiche, russische Diplomaten auszuweisen oder das "Russische Haus" in Berlin zu schließen. Es seien härtere Maßnahmen notwendig, etwa eine Verstärkung der Sanktionen oder noch umfangreichere Waffenlieferungen an Kiew. Drei Beamte haben sich geweigert, Details vorzulegen, welche Maßnahmen genau Merz plane.
Und tatsächlich, schließlich kann ein Bundeskanzler wohl kaum sagen: "Wir wissen nicht, welche Drohne der Busfahrer am Flugplatz mit dem Fuß getreten hat, deswegen verhängen wir unabhängig von der EU weitere Sanktionen und schließen das 'Russische Haus'." Oder wie bei der Sprengung von Nord Stream 2: "Brave ukrainische Geheimdienstler haben ein ukrainisches Flugzeug an unserem Flughafen mithilfe einer Drohne bewacht, und schuld daran ist Russland…" Und dann noch mehr Sanktionen, noch mehr Unterstützung der Ukraine und die Schließung des "Russischen Hauses". Dabei reagiert das einheimische Publikum auf die Erwähnung der Sprengung von Nord Stream 2 ohnehin extrem gereizt, sodass solche Analogien ganz unpassend kommen.
Doch wie die Welt in einem Artikel treffend bemerkte, ist die "Beweisschwelle für die Schuld von Amtsträgern bei solchen Angriffen" sehr hoch. Das heißt, dass man sehr leicht ins Fettnäpfchen treten kann. Und die Schließung des "Russischen Hauses" in Berlin könnte sich aus diplomatischer und internationaler Sicht als stärkere Explosion als die von Nord Stream 2 erweisen.
Es geht dabei weder darum, dass das Gebäude des "Russischen Hauses" der Sowjetunion und später Russland gehörte, noch darum, dass das entsprechende Grundstück von Deutschland zur "unbefristeten Nutzung" bereitgestellt wurde. Auf symbolischer Ebene kommt dies einer Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs gleich. Es waren nicht die gegenwärtigen hohläugigen BlackRock-Manager, die das "Russische Haus" für Wissenschaft und Kultur eröffnet haben, das von dem großartigen deutschen Architekten Karl-Ernst Swora erbaut wurde. Nicht sie bauten Brücken zwischen ehemaligen Feinden in einem ungeheuren Krieg, indem sie ein Zentrum für russische Kultur an der Friedrichstraße eröffneten. Und es zu schließen, obliegt weder ihnen noch den Fans von Stepan Bandera. Das kommt einem Überfall auf Russlands Botschaft in Deutschland gleich.
Wer wird davon profitieren? Ganz sicher nicht die Deutschen und nicht die Russen. Dafür werden die Ukrainer einen Vorwand haben, mehr Geld und mehr Waffen zu fordern. Ein lokaler Sieg über das "Russische Haus" käme ebenfalls der Ukraine zugute. Wieso sollte also die Drohne mit dem defekten Zünder (um das ukrainische Flugzeug nicht zu beschädigen) russisch sein? Hatten sie auf dem Gymnasium keinen Logikunterricht?
Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 30. August.
Igor Malzew ist ein russischer Schriftsteller, Journalist und Publizist.
Mehr zum Thema – Wie die Deutschen aus einer unbekannten Drohne eine russische machten