Von Ilja Kramnik
Die britische Presse berichtet, dass sich alle Mehrzweck-U-Boote der Königlichen Kriegsmarine derzeit in ihren Stützpunkten befinden: Einige werden gerade repariert, andere warten auf ihre Wiederinstandsetzung. Angesichts der Tatsache, dass dieselben britischen Medien regelmäßig berichten, dass russische U-Boote in der Nähe der Inseln irgendetwas Unheilvolles zusammenbrauen, ist die Lage Britanniens alles andere als erfreulich.
Ja was ist denn los, Gebieterin der Meere? Was hast du bloß mit deiner Flotte gemacht?
Tatsächlich reichen die Wurzeln der aktuellen Probleme Großbritanniens mit seiner Kriegsmarine – regelmäßige Ausfälle, die nicht nur U-Boote, sondern auch Überwasserschiffe betreffen, und die insgesamt sinkende Einsatzbereitschaft der Flotte – gar bis in die 1960er-Jahre zurück. Damals legte die britische Führung mit der Entscheidung, die Idee einer großen, ausgewogenen Marine aufzugeben – wenn auch nicht mehr so umfangreich wie in der Blütezeit des einstigen Kolonialreichs –, den Grundstein für die heutige Situation:
Der Abbau der für den Bau und die Reparatur von Kriegsschiffen relevanten industriellen Kapazitäten war eine Folge sinkender Schiffsaufträge. Doch der Bau dauert dann länger und wird teurer – was durch die zunehmende Komplexität der nach neueren Entwürfen zu bauenden Schiffe noch verschärft wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die anhaltenden Bemühungen der Regierungen um den Abbau der Militärausgaben die Instandhaltung der bestehenden Flotte zusätzlich komplizieren. Infolgedessen ist die gesamte britische Marine derzeit kleiner als das Aufgebot, das London im Mai 1982 ohne große Probleme nur in den Falklandkrieg entsandte: Bemerkenswert ist, dass die britische Seite in jenem Krieg allein fünf Atom-U-Boote und ein Diesel-U-Boot einsetzte. Würde heute ein Krieg ausbrechen, gäbe es nichts mehr zu entsenden. Einziger Lichtblick: Die argentinische Marine ist in dieser Zeit in noch weitaus größerem Umfang verkümmert.
Wie äußert sich diese Verschlechterung hinsichtlich der britischen U-Boote? Die Briten fertigten die vorherige Baureihe der Atom-U-Boote der Trafalgar-Klasse in den Jahren von 1977 bis 1991 und erhielten in diesem Zeitraum sieben U-Boote. Die Fertigstellung jedes U-Boots dauerte etwa vier Jahre. Verglichen mit den Baugeschwindigkeiten der USA und der Sowjetunion war dies zwar keine herausragende Leistung, aber immer noch deutlich schneller als die heutige: Seit 25 Jahren wird die aktuelle U-Boot-Serie der Astute-Klasse gebaut, und planmäßig soll die Produktion innerhalb von 28 Jahren abgeschlossen sein – für dieselbe Zahl von sieben U-Booten. Die Bauzeit für jedes einzelne U-Boot beträgt dabei mehr als zehn Jahre.
Unter diesen Umständen ist es schwierig, von Serienproduktion oder Qualifikation der Werftmitarbeiter zu sprechen: Aufgrund der hohen Personalfluktuation werden Folgeaufträge größtenteils von Mitarbeitern ausgeführt, die nicht an früheren Aufträgen mitgearbeitet haben. Sie konnten deshalb weder aus den positiven noch aus den negativen Erfahrungen lernen – und müssen erneut jeden Fehler selbst machen und jeden Erfolg vollständig selbst erzielen.
Letztlich birgt dies auch Risiken für den britischen Nuklearschutzschild: Atom-U-Boote mit strategischen Waffen an Bord werden von derselben Industrie gebaut, repariert und gewartet wie Mehrzweck-Atom-U-Boote, sie operieren ja nicht in einem logistischen Vakuum, und Wartungsprobleme haben schon jetzt den üblichen Bereitschaftspatrouillenplan der "Strategen" gestört.
Die Auslastung der verbleibenden einsatzfähigen U-Boote steigt also. Und wenn, genauso wie im Falle der Mehrzweck-U-Boote, nur noch vier U-Boote als Träger strategischer Waffen – einsatzbereite wie nicht einsatzfähige – zur Verfügung stehen, droht eine Situation, in der gar keine U-Boote mehr für den Einsatz zur Verfügung stehen. Das birgt die Gefahr erheblicher Lücken im nuklearen Schutzschild: Die Briten verfügen bekanntlich über keine land- oder luftgestützten Komponenten ihrer strategischen Nuklearstreitkräfte.
(Anm. d. Red.: Das Risiko für Großbritanniens nukleare Abschreckungskapazitäten ergibt sich auch auf anderem Wege: Die Royal Navy nutzt die Astute-Klasse nicht nur als Träger von Tomahawk-Marschflugkörpern, sondern auch als Jagd-U-Boote zum Schutz der U-Boote mit strategischen Atomraketen an Bord, was nun also ersatzlos entfällt.)
Und hier liegt der zentrale Widerspruch innerhalb der NATO. Während die USA ihre Belastung durch Bündnisverpflichtungen reduzieren und gleichzeitig die Beteiligung der NATO-Verbündeten in anderen Weltregionen – dem Nahen Osten und dem Pazifik – ausweiten wollen, sind europäische Regierungen (einschließlich Großbritanniens) daran interessiert, die US-Militäraufgebote in der Alten Welt zu halten, da die eigenen Kapazitäten zunehmend fragwürdig werden.
Übersetzt aus dem Russischen.
Ilja Kramnik ist Militäranalyst, Experte beim Russischen Rat für Internationale Angelegenheiten und Forscher an der Russischen Akademie der Wissenschaften.
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