Medien: Ex-BND-Chef Hanning lieferte "Analysen" im Auftrag Aserbaidschans

Der ehemalige deutsche Geheimdienstchef August Hanning wurde am Dienstag wegen des Verdachts auf versuchten Landesverrat festgenommen. Die "Spiegel"-Redaktion präsentiert noch am Tag des Ereignisses laut "Recherchen" die Information, dass demnach Hanning einen "Agenten der Kaukasusrepublik Aserbaidschan" belieferte.

Der langjährige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, wurde am Dienstag wegen mutmaßlichen Spionageverdachts festgenommen. Wie der zuständige Generalbundesanwalt mitteilte, werden Hanning unter anderem "mutmaßliche landesverräterische Ausspähung" sowie "versuchter Landesverrat und Spionage" vorgeworfen. Die Spiegel-Redaktion berichtet nun über Informationen zu dem vermeintlichen Auftraggeber des Ex-BND-Chefs.

Die zuständige Bundesanwaltschaft informierte zu den Ereignissen am Dienstag, dass der ehemalige BND-Geheimdienstchef im Rahmen "von Haftbefehlen des Ermittlungsrichters" in seinem Wohnhaus im Kreis Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) durch Beamte des Bundeskriminalamts festgenommen wurde. Dabei vor Ort auch vorab informierte Mitarbeiter der Spiegel-Redaktion.

Zugleich wurden demnach in Berlin "Durchsuchungen von Räumlichkeiten der Beschuldigten" begonnen, dies bezogen auf die parallel in Bayern durchgeführte Festnahme des Ex-Büroleiters, einem Manfred D., dem "Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung" vorgeworfen wird.

Die Spiegel-Redaktion präsentierte noch am Tag der Festnahme des ehemaligen hochrangigen Geheimdienstmitarbeiters demnach "recherchierte" Informationen zu möglichen Hintergründen der Ermittlungen gegen Hanning und seinen Ex-Mitarbeiter.

So heißt es im Artikel (Bezahlschranke) zu den Vorwürfen an den Hanning-Zulieferer:

"Bis Juni 2022 soll D. nach Erkenntnissen der Ermittler Hanning rund 2.000 Dokumente, darunter zahlreiche Verschlusssachen, gegen Geld geliefert haben. Dabei soll es sich insbesondere um Vorlagen für die BND-Leitungsebene zur Vorbereitung der sogenannten nachrichtendienstlichen Lage im Kanzleramt gehandelt haben."

Hanning war in den Jahren von 1998 bis November 2005 Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND). Von 2005 bis zum Jahr 2009 dann Staatssekretär im Bundesministerium des Innern (BMI). Als der Ex-BND-Präsident Ende des Jahres 2005 ins Bundesinnenministerium wechselte, nahm er laut Pressemitteilung der Bundesanwaltschaft Manfred D. dorthin mit, wo dieser wiederum bis November 2009 als Hannings Assistent tätig war. Ab März 2012 kehrte D. dann zum BND zurück "und arbeitete dort als Büroleiter für mehrere auf Hanning folgende BND-Präsidenten". Diese Tätigkeit dauerte bis März 2026.

Den laufenden Ermittlungen zufolge soll sich Hanning demnach über Manfred D., "als 'geheim' eingestufte Dokumente beschafft und diese für die Erstellung einer schriftlichen Analyse verwendet haben", so der Spiegel berichtend. Diese Analyse war laut Vorwurf der Bundesanwaltschaft vermeintlich "für einen 'Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates' bestimmt".

Für welchen Staat der Mitarbeiter tätig gewesen sein soll, teilte dabei die Ermittlungsbehörde nicht mit. Russland wurde in der Pressemitteilung explizit nicht genannt, woraufhin die Spiegel-Redaktion am Nachmittag bereits ihre "Recherchen" präsentierte. Dazu heißt es darlegend:

"Nach Spiegel-Informationen gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass der frühere Chef der deutschen Auslandsspionage mit einem Agenten der Kaukasusrepublik Aserbaidschan in Verbindung stand. (...) Ob die von Hanning erstellte Analyse den Adressaten tatsächlich erreichte, ist demnach Gegenstand laufender Ermittlungen."

In Agenturmeldungen hieß es am Tag der Festnahme dazu, dass Hanning "im Rahmen einer Beratertätigkeit vermutlich in mindestens einem Fall eine Sicherheitsanalyse für den Nachrichtendienst eines anderen Landes erstellt" habe.

Die Spiegel-Redaktion untermauert ihren Verdacht mit der mutmaßenden Information, dass der Ex-BND-Chef nachweislich "Kontakte zu Vertretern Aserbaidschans unterhielt". Als Beweis wird dazu eine Presseinformation des "Deutsch-Aserbaidschanischen Forums" aus dem August des Vorjahres präsentiert, welche im Internet weiterhin abrufbar ist.

Aus der Mitteilung des Vereins geht dabei hervor, dass "Staatssekretär a.D. Dr. August Hanning" als Mitglied im Vorstand des Forums gelistet wird. Weitere demnach belastende "Recherchen" werden in dem Artikel nicht genannt. Die Bild-Zeitung berichtet zum Artikel:

"Das Spiegel-Nachrichtenmagazin berichtet, Ermittler gingen dem Verdacht nach, dass Hanning mit einem Agenten der Kaukasusrepublik in Verbindung gestanden habe."

Die Süddeutsche Zeitung (Bezahlschranke) präsentierte laut Reuters-Meldung in ihrer Recherche zur Causa Hanning und demnach belastendes Material aus dem Hause des Ex-BND-Chefs:

"Dazu gehörten Dokumente zum iranischen Atomprogramm und zum russischen Militär sowie hochsensibles Material, das von verbündeten Geheimdiensten anderer Länder als geheim eingestuft wurde."

Das medienpolitische Großereignis samt nun erfolgter Verhaftung und eingeleitetem Verfahren gegen den Ex-BND-Chef gehen dabei auf zurückliegende Durchsuchungen bei Hanning im Zusammenhang mit dem Entführungsfall in der Unternehmerfamilie Block zurück.

Der amtierende BND-Präsident Martin Jäger erklärte laut Reuters am Dienstag, die BMI-Behörde habe, "sobald der Verdacht aufgekommen sei", umfassende interne Ermittlungen eingeleitet, und fügte hinzu: "Bei der inneren Sicherheit darf es keine Kompromisse geben."

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