Die 85‑jährige südafrikanische Juristin Navanethem "Navi" Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026. Pillay konnte demnach das Nobelkomitee bei der Entscheidungsfindung mit ihrem jahrelangen Engagement überzeugen. Sie konnte sich laut Angaben der Bild gegen zwei andere Kandidaten durchsetzen, die als sogenannte "Anti-Kreml-Aktivisten" im Rennen waren.
Pillay erlangte vor rund 50 Jahren erstmalig weltweite Bekanntheit, als sie in Südafrika einen Rechtsstreit gewann, in dem es um die Anerkennung der Rechte und bessere Lebensbedingungen für südafrikanische Dissidenten ging, die unter dem Terrorismusgesetz der Apartheid inhaftiert waren.
In einem späteren Verfahren gelang es ihr, das sogenannte "Terrorismusgesetz" Südafrikas erfolgreich anzufechten, wobei sie erstmals konkrete Beweise präsentierte, die belegen, dass die zu dieser Zeit Inhaftierten gefoltert worden waren.
Pillay sei eine der wichtigsten Rechtsexperten unserer Zeit, erklärte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, am Donnerstagvormittag. Auf der Webseite des Komitees heißt es zur Begründung für die Auszeichnung der Juristin mit dem Friedensnobelpreis:
"Navi Pillays Engagement für universelle Rechtsgrundsätze und ihr fester moralischer Kompass sind Konstanten in ihrer langen Karriere. Geboren in einer Familie indisch-tamilischer Herkunft während der Apartheid in Durban, Südafrika, wurde Pillay Rechtsanwältin und Pionierin im Rechtswesen und setzte sich gegen tiefgreifende strukturelle Diskriminierung, Segregation und Ausgrenzung ein.
Ein roter Faden zieht sich von ihrer frühen Arbeit zur Verteidigung von Nelson Mandela und anderen, die sich gegen die Apartheid zur Wehr setzten, hin zu ihrer Tätigkeit als Richterin in einigen der wichtigsten internationalen Gerichtsverfahren unserer Zeit."
Die 85-Jährige war im Verlauf ihrer juristischen Karriere unter anderem Richterin am Obersten Gerichtshof Südafrikas, am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda sowie am Internationalen Strafgerichtshof. Zudem war sie als UN-Menschenrechtskommissarin tätig.
Dabei leitete sie unter anderem im November des Vorjahres eine von der UNO eingesetzte unabhängige Untersuchungskommission, die Israel in einer Abschlusserklärung einen gezielten Völkermord im Gazastreifen vorwarf. Pillay gab als Vorsitzende der Kommission zu Protokoll:
"Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass Israel für die Begehung von Völkermord im Gazastreifen verantwortlich ist. Es ist offensichtlich, dass die Absicht besteht, die Palästinenser im Gazastreifen durch Handlungen zu vernichten, die die in der Völkermordkonvention festgelegten Kriterien erfüllen."
Agenturmeldungen berichten zu der Entscheidung in der norwegischen Hauptstadt:
"'Leider haben wir Navi Pillay nicht erreicht', sagte Frydnes. Deshalb schickte er einen Aufruf an die Preisträgerin: 'Wenn du eine norwegische Nummer anrufen siehst, geh bitte dran, wir würden liebend gerne mit dir sprechen'."
Mit der Verkündung der diesjährigen Preisträgerin für den Friedensnobelpreis erreichte die Nobelpreis-Woche an diesem Freitag in Oslo ihren alljährlichen Höhepunkt. Die Jury hatte dieses Mal laut Medienberichten die Wahl "aus 287 Kandidaten – deutlich weniger als im vergangenen Jahr". Darunter befanden sich "208 Personen und 79 Organisationen".
Die Bild informiert ausführlich zu zwei dieser potenziellen Kandidaten. Demnach seien "zwei Anti-Kreml-Aktivisten als aussichtsreichste Kandidaten" gehandelt worden. Weiter heißt es im Artikel zu der Gewinnerin:
"Es handelte sich um den ukrainischen Kinderrechtsaktivisten Mykola Kuleba und die russische Oppositionelle Julia Nawalnaja. Kuleba, Gründer und Leiter der Hilfsorganisation 'Save Ukraine', setzt sich seit Jahren für die Rückholung ukrainischer Kinder ein, die nach Russland verschleppt wurden. Nawalnaja, die Witwe des 2024 in russischer Lagerhaft gestorbenen Kremlkritikers Alexej Nawalny (†47), prangert regelmäßig die grassierende Korruption des Putin-Regimes an."
Als mögliche weitere aussichtsreiche Kandidaten galten laut einer Agenturmeldung "unter anderem Papst Leo, der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) sowie lokale Hilfsgruppen im Sudan".
Das Nobelkomitee verwies in seiner Begründung auch auf die zunehmende Zahl von Kriegen und Konflikten und auf politischen Druck auf Richter und Institutionen des internationalen Rechts.
Die diesjährigen Preisträger werden am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, überreicht. Als einzige der Auszeichnungen wird der Friedensnobelpreis dabei nicht in Stockholm, sondern seit der ersten Vergabe der Nobelpreise 1901 in der norwegischen Hauptstadt Oslo verliehen.
Schon bald nach der Verkündung der Preisträgerin reagierte das israelische Außenministerium auf X und griff sie massiv an: "Wenn es einen Preis für Lügen, Hass und Ritualmordlegenden gäbe, Navi Pillay wäre nicht nur eine Mitbewerberin. Sie wäre die Favoritin." Die Verleihung des Preises an die südafrikanische Juristin sei "eine groteske Nutzung eines Preises als Waffe, um Anti-Israel-Hass und Vorurteile zu legitimieren". Später ging das Ministerium noch einen Schritt weiter: "Jetzt, da die Nobel-Kommission die größte Lüge des 21. Jahrhunderts ausgezeichnet hat, klatscht Joseph Goebbels sicher Applaus in der Hölle."
Navi Pilly hatte, wie die südafrikanische Regierung, die israelische Kriegsführung in Gaza einen Genozid genannt. Südafrika klagt vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen Israel wegen des Vorwurfs des Völkermords.
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