Jugendschutz als Vorwand: Starmer will soziale Medien nach Vorbild Australiens stärker überwachen

Nun also auch Großbritannien: Nachdem Australien bereits ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren verabschiedet hat, will neben Frankreich, Österreich, Spanien und Griechenland nun auch Großbritannien nachziehen. Kritiker warnen vor dem vollkommen gläsernen Bürger und prangern die Doppelmoral Londons an.

Am Montag verkündete Großbritanniens Premierminister Keir Starmer ausgerechnet auf der Social-Media-Plattform X, Jugendlichen unter 16 Jahren künftig den Zugang zu TikTok, Instagram, Snapchat, Facebook, X und YouTube zu verwehren. Er schrieb konkret:

"Wir verbieten Kindern unter 16 Jahren den Zugang zu sozialen Medien. Heutzutage müssen Kinder ihren Weg in einer Welt finden, in der die Technik in jeden Bereich ihres Lebens vordringt. Das kann ich einfach nicht länger zulassen. Deshalb geben wir den Kindern ihre Kindheit zurück."

Die Regierung will das Gesetz noch vor Weihnachten verabschieden. Das Verbot soll nach Angaben  im Frühjahr 2027 in Kraft treten. "Social Media macht Kinder unglücklich", sagte Starmer, der wegen eines Streits um den Verteidigungshaushalt, massiv unter Druck steht, bei einer Pressekonferenz in der Downing Street. Die Plattformen erleichterten Mobbing und Belästigung und könnten die psychische Gesundheit junger Menschen beeinträchtigen. Viele Angebote seien gezielt darauf ausgelegt, Nutzer möglichst lange zu binden. Deshalb sei ein vollständiges Verbot "die richtige Entscheidung".

Nach Angaben der britischen Regierung orientiert sich das Vorhaben am australischen Modell, das Ende 2025 eingeführt wurde. Betroffen wären sämtliche großen sozialen Netzwerke mit nutzergenerierten Inhalten und Empfehlungsalgorithmen. Wie das Verbot technisch durchgesetzt werden soll, ist noch nicht vollständig geklärt. In Australien müssen Plattformbetreiber "angemessene Maßnahmen" zur Alterskontrolle ergreifen. Dazu gehören unter anderem umstrittene Ausweiskontrollen, biometrische Verfahren oder Systeme zur Altersschätzung. Unternehmen drohen hohe Geldstrafen, wenn sie Minderjährigen den Zugang nicht wirksam verwehren.

Pädagogen bemängeln einerseits die fehlende Verantwortlichkeit der Eltern gegenüber Jugendlichen, die anstatt des Staates dafür Sorge zu tragen hätten, dass ihre Kinder nicht ständig in sozialen Netzwerken aktiv seien. Während viele Eltern in Großbritannien das Verbot begrüßen, haben einige Organisationen, die junge Menschen mit Behinderungen vertreten, Bedenken geäußert, dass es die "Rettungsanker" untergraben könnte, die junge Menschen auf sozialen Plattformen gefunden haben.

Die Royal Society for Blind Children erklärt laut BBC, soziale Medien könnten zu einem Ort werden, an dem Freundschaften entstehen und junge Menschen sich "ausdrücken und sich weniger allein fühlen". Während die Organisation "bessere altersgerechte Schutzmaßnahmen und ein entschlossenes Vorgehen" gegen Plattformen unterstützt, die gegen die Richtlinien verstoßen, befürchtet ihre Geschäftsführerin Julie Davis die Auswirkungen eines vollständigen Verbots auf die von ihr betreuten jungen Menschen:

"Wir sind uns bewusst, dass dieses Verbot die Gefahr birgt, wichtige Verbindungen für Kinder abzuschneiden, die ohnehin schon viel zu oft ausgegrenzt werden. Wir suchen aktiv nach Möglichkeiten, den möglichen Auswirkungen entgegenzuwirken."

Eine ähnliche Sorge teilt auch die National Deaf Children's Society. Simon Want, Leiter der Abteilung für Politik und Einflussnahme (England), sagte: "Wir wollen Maßnahmen sehen, die Kinder vor Schaden bewahren und gleichzeitig gehörlosen jungen Menschen ermöglichen, in Kontakt zu bleiben, sich auszudrücken und Unterstützung zu erhalten." Und weiter sagte er: "Das bedeutet, eng mit Familien, Experten und gehörlosen Jugendlichen selbst zusammenzuarbeiten, um die richtige Balance zu finden."

Datenschützer sehen dagegen andererseits die angedachten Maßnahmen zur Altersverifizierung als trojanisches Pferd für einen "Internet-Führerschein" bzw, "Digitalen Ausweis", der Staat und Digitalkonzernen die totale Überwachung über die Nutzer generiert und das "Recht auf Anonymität im Internet" ad absurdum führt.

Am Beispiel Großbritanniens wird eine weitere Doppelmoral besonders sichtbar: So warf u. a. US-Unternehmer Elon Musk Starmer vor, zu wenig für den Schutz minderjähriger britischer Mädchen vor sexuellen Übergriffen von Migranten getan zu haben. Anfang 2025 kritisierte der X-Chef den verharmlosenden Umgang der britischen Regierung und des Premierministers Keir Starmer mit den sogenannten "Grooming Gangs". Dabei soll es sich vor allem um Männer pakistanischer Herkunft handeln, die in den vergangenen dreißig Jahren in ganz Großbritannien massenhaft primär weiße Kinder vergewaltigt haben sollen. Besonders pikant: Von 2008 bis 2013 war Starmer Generalstaatsanwalt von England und Wales.

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